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Für Cropenergies sind Getreide und Zuckerrüben in Europa erste Wahl

Agrarzeitung Ernährungsdienst 19. Mai 2007; Von Daphne Huber-Wagner, Frankfurt a.M.

Nationale Förderprogramme und das klare Bekenntnis in der EU zu Biokraftstoffen geben den Produzenten von Bioethanol die gewünschte Planungssicherheit. Die Agrarzeitung Ernährungsdienst sprach mit Cropenergies-Vorstand Dr. Lutz Guderjahn über die Expansionspläne des Unternehmens.

Ernährungsdienst: Wann erwarten Sie eine Änderung der Kraftstoffnorm in Deutschland, die eine höhere Beimischung von 10 Prozent für Biokraftstoffe erlaubt?

Guderjahn: Hierzu plant die EU-Kommission eine Änderung der EU-Kraftstoffrichtlinie. Am 29. Mai gibt es bei der Generaldirektion Umwelt eine Anhörung der Unternehmen und Wirtschaftsverbände. Bis alle Instanzen durchlaufen sind, erwarte ich eine Änderung der deutschen Kraftstoffnorm Anfang 2009.

Wie wird sich der Markt in Deutschland entwickeln?

Guderjahn: Die Mindestnachfrage in Deutschland nach Bioethanol wird sich bis 2010 auf 1,5 Millionen Kubikmeter gegenüber heute verdreifachen.

Wird dafür genügend Getreide in der EU vorhanden sein?

Guderjahn: Ja. Für die Herstellung von einem Kubikmeter Bioethanol braucht man ungefähr 2,8 Tonnen Getreide. Bei einer Beimischungsquote von 5,75 Prozent in der EU im Jahr 2010 wird ein Bioethanolbedarf von rund 8 Millionen Kubikmeter erwartet. Dazu wären 22 Millionen Tonnen Getreide nötig. Dies entspricht einem Anteil von Getreide für Bioethanol an der EU-Ernte von rund 9 Prozent.

Was verstehen Sie unter vorausschauender Rohstoffakquisition?

Guderjahn: Einen Teil der Rohstoffe decken wir durch Verträge mit dem Erfassungshandel ab. Zum Teil handelt es sich um Anbauverträge auf Stilllegungsflächen oder mit Energiepflanzenprämie. Wenn wir größere Bioethanolkontrakte schließen, werden die benötigten Rohstoffmengen zeitnah gesichert. Von großer Bedeutung ist auch unsere Flexibilität, neben Weizen verschiedene andere stärke- und zuckerhaltige Rohstoffe einsetzen zu können.

Wie setzt sich die Abnehmerstruktur für Bioethanol zusammen?

Guderjahn: Noch 2005 waren unsere Abnehmer vornehmlich Händler. Jetzt liefern wir auch Bioethanol direkt an die Mineralölindustrie oder ETBE-Hersteller. Zur Hälfte geht das Bioethanol in das europäische Ausland, insbesondere den ARA-Raum. In den Häfen sind die meisten Hersteller von ETBE angesiedelt. In Rotterdam haben wir bereits eigenen Tankraum angemietet.

Ist der Zusatz von ETBE überhaupt noch notwendig? Bioethanol gelangt doch über die Zwangsbeimischung in den Kraftstoff.

Guderjahn: Das meiste Bioethanol wird noch für die Herstellung von ETBE verwendet. Mit den zunehmenden Beimischungsquoten und auf Grund begrenzter ETBE-Kapazitäten wird in Zukunft mehr Bioethanol direkt dem Benzin beigemischt werden.

Wie erklären Sie sich den Verkaufserfolg von Protigrain, insbesondere im Ausland?

Guderjahn: Protigrain hat einen hohen Proteingehalt und kann Importe anderer Proteinfuttermittel wie zum Beispiel Soja ersetzen.

Wie hoch ist der Prämienaufschlag gegenüber Rapsschrot?

Guderjahn: Der Preisaufschlag gegenüber Rapsschrot beträgt rund acht bis zehn Euro pro Tonne.

Wie hoch sind die Produktionslizenzen für Bioethanol in Belgien?

Guderjahn: Die belgische Regierung hat für den Zeitraum vom 1. Oktober 2007 bis 30. September 2013 Produktionslizenzen für insgesamt 1,5 Millionen Kubikmeter Bioethanol ausgegeben. Unsere belgische Tochtergesellschaft Biowanze erhielt davon eine Quote für insgesamt 750.000 Kubikmeter, das sind 125.000 Kubikmeter im Jahr. An die Lizenzen sind Steuerbegünstigungen gebunden.

Wieso schlagen sich die guten Geschäftszahlen von Cropenergies im Aktienkurs nicht nieder?

Guderjahn: Der Biokraftstoffmarkt ist in der EU noch nicht genau definiert. Bei den Anlegern besteht zur Struktur des Marktes noch Informationsbedarf. Es ist unser erklärtes Ziel, den Markt und das Unternehmen besser darzustellen, was sich dann auch im Aktienkurs widerspiegeln dürfte. Wir wollen unsere führende Position in einem stark wachsenden Markt behaupten.

Wie vereinbaren Sie die Effizienz Ihrer Werke bezüglich CO2 und Energie?

Guderjahn: Die Kunst ist es, eine gesunde Mischung aus Energie- und Kohlendioxideffizienz zu erzielen. Im Werk in Zeitz legen wir den Schwerpunkt auf die Energieeffizienz, in der neuen Anlage im belgischen Wanze auf die Kohlendioxideffizienz.

Der Produktionsprozess in Zeitz ist integriert durch die mehrfache Nutzung von thermischer Wärme, wie es beispielsweise auch bei einer Zuckerrübenfabrik der Fall ist. Im Werk in Wanze besteht eine Kohlendioxid-optimierte Energieversorgung durch die Nutzung von Biomasse zur Energieerzeugung.

Wohin geht die Forschung bei Cropenergies?

Guderjahn: Getreide und Zuckerrüben werden auch in den kommenden Jahren die wichtigsten Rohstoffe für die Bioethanolproduktion in Europa bleiben. In unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Offstein liegt der Schwerpunkt auf der Optimierung bestehender Verfahren, der Entwicklung von technischen Konzepten für neue Bioethanolanlagen und auf Ansätzen für alternative Verwendungsmöglichkeiten von Bioethanol, zum Beispiel dem Einsatz von Bioethanol in Brennstoffzellen.

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