Rufe nach Exportstopps werden lauter


Die mögliche Begrenzung von Getreideexporten aus Russland und der Ukraine führt in beiden Ländern zu Kontroversen. Mehr Befürworter melden sich zu Wort. Mittlerweile kommt aus der Moskauer Niederlassung des internationalen Handelshauses Glencore die Forderung, die Getreideexporte vorübergehend zu stoppen. Zuvor hatte sich der stellvertretende Agrarminister Alexander Beljajew noch am Dienstag gegen Einschränkungen der Exporte ausgesprochen.

Glencore-Vertreter fürchten, dass der internationale Handel seine Exportaufträge nicht erfüllen kann, weil die Getreidemengen am russischen Markt gar nicht verfügbar sind, berichtet die Moscow Times. Die Glencore-Verantwortlichen würden es sogar begrüßen, wenn Moskau umgehend einen Exportstopp für Getreide verhängt statt eine Exportsteuer zu erheben. Bei einem Stopp könnte der Handel „Force Majeure", also höhere Gewalt, erklären und aus Verträgen aussteigen.

Im Nachbarland Ukraine verschärft sich unterdessen ein Disput zwischen Präsident Viktor Janukowitsch und der Regierung. Der Präsident sorgt sich um die Inlandsversorgung und hat den staatlichen Agrarfonds aufgefordert, bis zu 4,5 Mio. t Getreide für die Reserve aufzukaufen. Nach einer Meldung der offiziellen Nachrichtenagentur Ukrinform ermutigt dagegen der stellvertretende Premierminister Viktor Slauta die Landwirte, Getreide zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen, und den bieten, so Ukrinform, die Exporteure.

Ukrinform berichtet weiter, dass die ukrainischen Nahrungsmittelhersteller vehement vor Getreideknappheit und einer „Lebensmittelkrise" warnen. Sie empfehlen eine Quotierung der Exporte oder einen vorübergehenden Exportzoll. Der ukrainische Agrarminister Mykola Prysyazhnyuk hatte vor einer Woche eine Exportquote für Brotgetreide zwar nicht ausgeschlossen, gleichzeitig aber gesagt, dass er erst zum Abschluss der Ernte darüber entscheiden wolle. Die Zollbehörden haben dagegen diese Ankündigung so interpretiert, dass sie ab sofort alle für den Export vorgesehenen Getreidepartien auf die Qualität hin untersuchen. Daraufhin sind die ukrainischen Ausfuhren erst einmal zum Erliegen gekommen. (db)
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