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Interview mit Achim Irimescu von der Vertretung Rumäniens vor der EU

Agrarzeitung Ernährungsdienst 30. Dezember 2006; Von Axel Mönch, Brüssel

Ernährungsdienst: Wie wettbewerbsfähig ist die rumänische Landwirtschaft?

Irimescu: Wir haben rund 23.000 kommerzielle Unternehmen, die häufig über 1.000 Hektar haben und die sehr wettbewerbsfähig sind. Hinzu kommen 4,5 Millionen Semisubsistenzbetriebe mit einem oder zwei Hektar, die kaum für den Markt produzieren. Das sind häufig ehemalige Arbeiter der Genossenschaften, die nur eine sehr kleine Rente bekommen.

Welche Erzeugnisse sind am wettbewerbsfähigsten?

Irimescu: Ölsaaten, Soja, Raps und Sonnenblumen.

Sie erzeugen gentechnisch veränderten Mais, also GV-Mais, in Rumänien?

Irimescu: Nein, das stimmt nicht. Wir produzierten lediglich auf 1. 000 Hektar GV-Sojabohnen, bis vergangenes Jahr. Das geht nach dem Beitritt nicht mehr. Die Erzeuger sind darüber unzufrieden, weil die Direktzahlungen den Schaden nicht ausgleichen, wenn sie kein GV-Soja mehr anbauen können. GV-Soja ist problemloser als GV-Mais in Bezug auf die Koexistenz, da es sich nicht auskreuzt.

Werden Sie nach dem Beitritt die Getreideintervention nutzen?

Irimescu: Von einer durchschnittlichen Ernte über 5 Millionen Tonnen Weizen und Mais werden rund 3 Millionen Tonnen verarbeitet. Die Differenz bleibt in den vielen Kleinbetrieben und wird dort verfüttert oder verbacken. Es bleibt also aller Voraussicht nach wenig Überschuss für die Intervention.

Durch den Strukturwandel wird das Land an die marktorientierten Unternehmen gehen und dann wird es durchaus einen Getreideüberschuss geben, der seinen Käufer finden muss...

Irimescu: So einfach ist das nicht. Rumänien hat einen Anspruch auf Direktzahlungen für 7,2 Millionen Hektar bekommen, die auf einem Durchschnittsertrag von 2,7 Tonnen je Hektar basieren. Wechselt das Land nun den Besitzer und steigert der neue Besitzer den Ertrag, fehlt es an Ausgleich. In puncto Direktzahlungen sind die rumänischen Getreideerzeuger also schon mal nicht wettbewerbsfähig.

Was exportieren Sie zurzeit nach Deutschland und in andere EU-Mitgliedstaaten?

Irimescu: Wein und lebende Schafe. Allerdings mit negativer Handelsbilanz in der Landwirtschaft, weil wir so viele Verarbeitungsprodukte importieren.

Bekommen Sie die Schweinepest in den Griff?

Irimescu: Unser Problem sind nicht die kommerziellen Betriebe, sondern die Kleinbestände in den Hinterhöfen, in denen ein Schwein für Weihnachten gemästet wird. Auch wenn die Anzahl der Fälle für manche dramatisch klingen mag, sind nur wenige Tiere betroffen, weil es pro Fall nur um ein oder zwei Schweine geht.

Alle Hinterhöfe erreichen Sie aber nur schwer mit der Impfung...

Irimescu: Das stimmt, das müssen wir unter Kontrolle bekommen. Wir haben die Impfkampagne nun um ein Jahr verlängert und so lange darf kein Schweinefleisch aus Rumänien heraus. Das ist besonders ärgerlich für Schlachtbetriebe, die ihre Schweine zum Beispiel aus den Niederlanden beziehen und die Verarbeitungsprodukte in der EU verkaufen wollen.

Wird Rumänien im EU-Agrarministerrat zu den reformfreudigen Ländern gehören wie Großbritannien, oder wird sich Rumänien zu den konservativen Ländern um Frankreich gesellen?

Irimescu: Ganz klar zu Frankreich. Wir hoffen, dass die Instrumente zur Kontrolle der Märkte noch einige Zeit erhalten bleiben. Besonders für unsere Kleinbetriebe brauchen wir einen stabilen Rahmen.



Zur Person

Achim Irimescu ist an der EU-Vertretung seines Landes in Brüssel für die Landwirtschaft zuständig. Er hat schon die Beitrittsverhandlungen für Rumänien in die EU begleitet und gehört damit zu den GAP-Experten seines Landes. Vor seiner Diplomatenlaufbahn hat der 48-jährige Maschinenbauingenieur Traktoren und andere landwirtschaftliche Geräte für Kleinbetriebe in Bukarest entwickelt.
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