IAMO-Tagung

Russland bleibt abhängig von Importen


Erzeuger in der EU haben durch das seit einem Jahr geltende Einfuhrverbot einen erheblichen Marktanteil an Schweine- und Geflügelfleisch verloren. Fachleute beleuchteten auf dem vom Hallenser Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) organisierten Treffen die Folgen von Einfuhrstopp und Rubelabwertung.

Detaillierte Zahlen zur Handelsumlenkung präsentierte in Mailand Ekatarina Krivonos von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Zwar konnte Russland die inländische Erzeugung bei Fleisch leicht steigern. Dennoch drängen andere Länder in den Markt. Vor allem Brasilien ersetzt bei Schweine- und Geflügelfleisch EU-Marktanteile. EU-Milchexporte wurden durch Einfuhren aus Belarus ersetzt. Fischanteile übernahmen Exporteure aus Chile und den Färöer Inseln. Krivonos rechnet durch steigende Preise und eine zurückgehende Kaufkraft des Rubels mit einem sinkenden Nahrungsmittelverbrauch.  

Martin Petrick vom IAMO hält es für unwahrscheinlich, dass Russland in der näheren Zukunft unabhängig von eingeführten tierischen Lebensmitteln und besonders werthaltigen pflanzlichen Produkten wie Obst und Gemüse werde. Aus seiner Sicht fehlen vor allem landwirtschaftliche Unternehmerpersönlichkeiten und ein leistungsfähiger institutioneller Rahmen für die Einrichtung von Wertschöpfungsketten. 


"Der derzeitige Schwerpunkt auf Kapitalspritzen durch die Regierung wird wenig helfen", fügte er hinzu, "bereits heute ächzen viele Agrarbetriebe unter einer hohen Schuldenbelastung." Darüber hinaus könnte eine Steigerung der tierischen Erzeugung im Inland den derzeitigen Produktionsüberschuss bei Getreide wieder zunichtemachen, da größere Tierbestände auch zu einer erhöhten Nachfrage nach Futtermitteln führten, so Petrick unter Verweis auf die Erfahrungen der Sowjetunion in den 1970er-Jahren. (kbo)
stats