Russlands Exportpotenzial schrumpft


Die russischen Exportmöglichkeiten von Getreide aus der Ernte 2010 schrumpfen, je länger die brütende Hitze in Teilen des Landes anhält. Die Inlandsversorgung gerät in den Blick. Auf etwa 12 Mio. t schätzt das Moskauer Analystenbüro Sovecon die russischen Getreideexporte 2010/11. Im Vorjahr hatten sie fast 22 Mio. t erreicht. Die russische Getreideernte 2010 schätzt Sovecon jetzt „unter 70 Mio. t". Eine aktuelle offizielle Prognose des Moskauer Agrarministeriums existiert nicht. Die Vorjahresernte hatte 94 Mio. t betragen. Bisher bewegten sich die Schätzungen privater Analysten für 2010 um die Marke von 75 Mio. t.

Russland ist in die Getreidesaison 2010/11 mit Anfangsbeständen von etwa 20 Mio. t gestartet. Darauf beruhte bisher der Optimismus, die Inlandsversorgung problemlos zu sichern und gleichzeitig als starkes Getreideexportland auf dem Weltmarkt aufzutreten. Der russische Inlandsbedarf erreicht etwa 77 Mio. t Getreide.

Von den Anfangsbeständen befinden sich fast 10 Mio. t in der staatlichen Intervention. Die Analysten von Sovecon gehen mittlerweile davon aus, dass dieses Getreide vollständig für den Binnenmarkt zur Verfügung gestellt wird. Dennoch könnte Futtergetreide knapp werden. In diesem Fall halten es die Analysten von Sovecon für wahrscheinlich, dass die Regierung in Moskau eine Begrenzung der Exporte beschließt. Das Agrarministerium hat allerdings am Dienstag verlauten lassen, dass es bislang der Regierung keine entsprechenden Vorschläge unterbreitet hätte.

Zuletzt hatte Russland im Wirtschaftsjahr 2007/08 hohe Exportsteuern erhoben, um die Inlandsversorgung zu sichern. Damals war die Entscheidung allerdings erst zum Jahreswechsel gefallen. (db)
stats