Report Saatgut Wintergetreide

Saatgutlogistik ist stark gefordert


Sorgfalt ist Pflicht: Die Saatgutaufbereitung erfolgt in diesem Jahr unter besonders starkem Zeitdruck.
-- , Foto: M. Großmann / pixelio.de
Sorgfalt ist Pflicht: Die Saatgutaufbereitung erfolgt in diesem Jahr unter besonders starkem Zeitdruck.

Die diesjährige Ernte zeichnet sich in Deutschland insgesamt durch viele niederschlagsbedingte Unterbrechungen aus. Das gilt auch für Vermehrungsflächen. Annahme- sowie Aufbereitungs- und Lagerlogistik stellen somit eine besondere Herausforderung für die VO- und Unter-VO-Firmen dar. Die Unternehmen produzieren bis zu 60 unterschiedliche Sorten verschiedener Kulturarten in ihren Anlagen.

Die Ernte der Wintergersten-Vermehrungen ist bundesweit abgeschlossen. Vor allem im Norden und Westen Deutschlands waren die Erträge mit einem dicken Minus von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr allerdings enttäuschend. In der Mitte, im Süden und im Osten Deutschlands kamen die Erträge immerhin an das langjährige Mittel heran und waren recht zufriedenstellend. Was fast alle Regionen vereint, sind vergleichsweise hohe Siebabgänge bei der Aufbereitung der Rohware. Nennenswerte Probleme bei der Saatgutanerkennung sind für Wintergerste bislang aber noch nicht aufgetreten.

Für Weizen lassen sich bislang nur wenige Aussagen treffen. Die Ernte der Weizen-Vermehrungen ist vielerorts noch nicht weit vorangeschritten. Erste Ernteergebnisse zeigen jedoch ebenfalls höhere Siebabgänge bei regional unterschiedlicher Ertragslage, die bislang aber auch maximal an das langjährige Mittel herankommt. Gesicherte Aussagen werden erst möglich sein, wenn mehr Ergebnisse der Weizenernte auf Vermehrungsflächen vorliegen. Ebenso verhält es sich mit der Ernte von Roggen- und Triticalevermehrungen. Auch hier musste die Ernte unterbrochen werden oder hat noch nicht richtig begonnen. Regional wurden bei Triticale erste Auswuchsprobleme festgestellt. Ob sich diese Tendenz verfestigt, bleibt abzuwarten.

Dabei wurde in diesem Jahr die zur Vermehrung angemeldete Fläche Wintergetreide um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert. So hängt die Saatgutversorgung natürlich im Wesentlichen vom weiteren Witterungs- und somit Ernteverlauf ab, aber auch von alterntiger, noch verfügbarer überlagerter Ware. Eine sichere Aussage lässt sich erst treffen, wenn auch für Winterweizen und andere, spätere Kulturen die Anerkennungsergebnisse vollständig vorliegen. Daher gilt gerade in Jahren wie diesem, dass frühzeitige Saatgut-bestellungen dem Landwirt auch die rechtzeitige Bereitstellung der Ware zum Aussaattermin sichern und zugleich dem Handel Planungssicherheit verschaffen.

(Gastkommentar von Jörg Hartmann, Vorsitzender des Bundesverbandes der VO-Firmen)
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