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Das Bundesverbraucherministerium (BMVEL), Berlin, regt eine Deregulierung des bestehenden Saatgutrecht an. Die Vorschläge wurden heute im Bundestagsausschuss für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft diskutiert. Laut BMVEL könnten die Normen für die Anforderungen an Feldbestand und die Beschaffenheit des Saatguts herabgesetzt und die Nachprüfungen reduziert werden. Weiterhin wird vorgeschlagen, die Zahl der Arten im Artenverzeichnis des Saatgutverkehrsgesetzes zu senken und "große Pflanzenarten", wie Zuckerrüben und Kartoffeln, aus den saatgutverkehrsrechtlichen Regelungen zu herauszunehmen. Ein ausreichendes Niveau beim Verbraucherschutz ist laut BMVEL auch dann gegeben, wenn man "völlig auf staatliche Aktivitäten in Form der Saatgutanerkennung" verzichtet. Auch "könnte ein völliger Verzicht auf ein Sortenzulassungssystem erwogen werden."

Diese Vorschläge zur Deregulierung stießen beim Bundesverband der deutschen Saatguterzeuger (BDS), dem Bundesverband deutscher Pflanzenzüchter (BDP), dem Deutschen Bauerverband (DBV), dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) und dem Bundesverband der Stärkekartoffelerzeuger auf teilweise grundsätzliche Kritik. BDS, BDP und DRV sehen mit dem Verzicht auf die Sortenzulassung und der Reduzierung des Artenverzeichnisses den "Motor der Entwicklung" und den "züchterischen Fortschritt" in Frage gestellt. Die amtliche Anerkennung sei "unverzichtbar". (gk)

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