Report Düngemittel

Sauberes Wasser und wertvolle Nährstoffe aus Gülle


Projektentwicklerin Saskia John zeigt im Container die unterschiedlichen Filtrationsstufen.
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Projektentwicklerin Saskia John zeigt im Container die unterschiedlichen Filtrationsstufen.

In diesem Jahr will BD Blue Systems zur Eurotier 2016 in Hannover am Stand eine Neuheit vorstellen. Nach  mehreren Jahren der Erprobung stehe die Aufbereitungsanlage für Gülle kurz vor der Serienreife, kündigt Projektentwicklerin Saskia John an. Zwei Kubikmeter Gülle kann das Containersystem pro Stunde verarbeiten. Bei 7 000 Betriebsstunden sind das pro Jahr 14000 Kubikmeter oder so viel Gülle, wie in einem Stall für 10000 Mastschweine anfällt.

Die Anlage zerlegt die Gülle in vier Bestandteile. Knapp 40 Prozent des Ausgangsmaterials können als gereinigtes Wasser in einen Vorfluter geleitet werden. Etwa 15 Prozent fallen als stickstoffreiches Konzentrat aus der Ultrafiltration an. In etwa 25 Prozent des Konzentrats aus der Umkehrosmose sind gelöste Salze wie Kalium enthalten. Zudem entstehen rund 20 Prozent Presskuchen mit einem Trockensubstanzgehalt von 22 bis 27 Prozent. Darin ist der größte Teil des Phosphats aus der Gülle gebunden. Der Flüssigdünger wird in einem dreistufigen Verfahren aufbereitet. Erster Schritt ist eine Fest-Flüssig-Separation, bei der neben dem Presskuchen ein flüssiges Filtrat entsteht, das anschließend die Ultrafiltration durchläuft. In der Ultrafiltration werden kleinste Partikel und makromolekulare Teilchen aus der Flüssigkeit gefiltert. Die dritte Stufe, die Umkehrosmose, trennt schließlich die gelösten Salze ab.

Vollautomatischer Betrieb

Als Serienprodukt werde die Anlage deutlich weniger als 1 Mio. € kosten, kündigte Saskia John an. Der Strombedarf der Anlage liege bei etwa 14 kW. Inklusive der Kosten für Energie, Investitionen und Betriebsmitteln werde die Aufbereitung eines Kubikmeters Rohgülle etwa 12,00 bis 15,00 € kosten, erklärt die Ingenieurin. Die Anlage soll automatisch betrieben werden können, sodass für den Landwirt keine zusätzliche Arbeit anfällt. Der Prozess und die Qualität des Wassers werden online überwacht, um zu garantieren, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

Da das System modular aufgebaut ist, kann die Kapazität auch erweitert werden. Eine Verdoppelung auf 28 000 t Jahresleistung würde die Kosten deutlich senken, so die Projektentwicklerin. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sei auch die Frage, wie die bei der Aufbereitung anfallenden Produkte vermarktet werden. Der Presskuchen könne zum Beispiel Silomais als Biogassubstrat ersetzen. Die flüssigen Dünger lassen sich vielseitiger einsetzen als Rohgülle. Für die Vermarktung der flüssigen Produkte sind aber auch noch einige offene Fragen zu klären. In der Düngeverordnung gibt es bisher keine Klassifizierung für die Konzentrate aus der Ultrafiltration und Umkehrosmose. Ihren Eigenschaften nach entsprechen die Filtrate eher mineralischen Düngern, ihrem Ursprung nach sind sie organische Wirtschaftsdünger. Getestet werden muss auch, wie die flüssigen Dünger am besten ausgebracht werden können. Für das Gülleaufbereitungssystem Mem- Fis sieht Produktentwicklerin John weltweite Vermarkungsmöglichkeiten. In Deutschland und den Niederlanden werde die Aufbereitung meist als Gemeinschaftsanlage für mehrere Landwirte sinnvoll sein. Interesse gebe es auch in Ländern wie Japan oder Korea, wo die Flächen zur Verwertung der Wirtschaftsdünger noch knapper sind als in Westeuropa.

Nach der Fest-Flüsssigseperation wird in Vechta das fertige Konzentrat aufgeladen.
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Nach der Fest-Flüsssigseperation wird in Vechta das fertige Konzentrat aufgeladen.

Umweltgerechte Verwertung

Für Big Dutchman als Unternehmensgruppe bietet MemFis die Chance, ein Gesamtkonzept anzubieten, das neben der Stalleinrichtung auch die umweltgerechte Verwertung der Gülle beinhaltet. Die Pilotanlage und auch die ersten Serienmodelle sind für die Verarbeitung von Schweinegülle ausgelegt. Im nächsten Schritt soll die Technik so angepasst werden, dass auch Gärreste aus Biogasanlagen und Rindergülle eingesetzt werden können, blickt John in die Zukunft. (SB)
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