Tönnies

Schlachter wünscht sich selbstbewusste Bauern

Clemens Tönnies zeigt sich offen für ein Mehr an Tierwohl in deutschen Ställen. Den dadurch entstehenden Mehraufwand sieht er allerdings eindeutig auf Seiten des Verbrauchers. Dies erklärte er Anfang der Woche auf dem Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland in Vechta, das den Chef des größten Fleischkonzerns Deutschlands zum Austausch mit Landwirten geladen hatte. Vor rund 250 Zuhörer appellierte Tönnies an die Einkaufsabteilungen des LEH, den Preis nicht zu drücken, sondern diesen im Sinne der Landwirtschaft zukunftsfähig mitzugestalten. 


Schweinepest als Gefahr
Diskutiert wurde auch die steigende Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest für die deutsche Nutztierhaltung. Diese rücke kontinuierlich näher und sei insbesondere für die viehdichte Region Südoldenburg eine Bedrohung für die ganze Wertschöpfungskette. Es müsse gezielt von Seiten der Politik, der Verbände und der Landwirte Vorsorge getroffen werden, um das Risiko auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Tönnies forderte die Landwirte auf, sich selbstbewusst der öffentlichen Kritik zu stellen und stolz auf das Erreichte zu sein. Aber auch dort, wo berechtigte Kritik angebracht sei, Veränderungsbereitschaft zu zeigen. Auch bekannte sich Tönnies offen zu den landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Diese seien auch heute die ersten Ansprechpartner seines Unternehmens. 


Bei Thema Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fleischproduktion räumte Tönnies ein, dass die Inlandsverbräuche und der Export in Korrelation stünden. Wenn die Branche den hiesigen Standard halten wolle, dann müsse der Export eindeutig gestärkt werden. „Alles, was wir an Wertschöpfung generieren, wirkt sich positiv auf den Schweinepreis aus“, so Tönnies. Der Export von qualitativ hohen Produkten aus Deutschland in Drittlandstaaten würde immer wettbewerbsfähig bleiben, so seine Prognose. Hier böten sich für die deutsche Landwirtschaft viele Potenziale und Chancen.

Tönnies fordert besseren Rahmen für Exporte

In diesem Zusammenhang forderte Tönnies die Politik auf, bessere Rahmenbedingungen für die Erschließung weiterer Exportmärkte zu schaffen. In der Vergangenheit habe man sich zu stark auf die großen Länder fokussiert; die daraus entstehenden Konsequenzen habe die deutsche Fleischbranche bei dem Russlandembargo deutlich zu spüren bekommen. Auf den Vorwurf, selbst große Kapazitäten in der Ukraine und auch in Serbien aufzubauen, entgegnete Tönnies, sich entsprechende „Exporttüren“ aufzuhalten. Nicht jedes Schwein müsse in Deutschland geschlachtet werden. (mrs)
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