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Um dem Verbraucher mehr Sicherheit vor dem BSE-Erreger zu bieten, müsse der Schlachtprozess bei Rindern systematisch auf mögliche Risikoquellen überprüft werden. Dies teilten die Bundesanstalt für Fleischforschung (BAFF), Kulmbach, und das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), Berlin, mit.
Bei der in Deutschland bei Rindern vor der Schlachtung üblichen Bolzenschussbetäubung durchschlägt ein Metallbolzen den Schädelknochen, dringt in das Gehirn ein und zerstört dieses teilweise. Hirnpartikel können sich lösen, über das Blut in Herz und Lunge gelangen und sich dort festsetzen. Die Bundeseinrichtungen empfehlen daher, Herz und Lunge bolzenschussbetäubter Rinder nicht in die Nahrungskette gelangen zu lassen und die Tiere künftig elektrisch zu betäuben. Die Entwicklung entsprechender Anlagen, die sich auch für den Einsatz in Mittel- und Kleinbetrieben eignen sollten, müsse vorangetrieben werden. Das Gleiche gelte für die Entwicklung von Alternativverfahren. Erste Versuch der BAFF zur Laserbetäubung von Rindern seien vielversprechend.
Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Fleischuntersuchung müsse auch der Kopf des Tieres untersucht werden. Zuvor wird er mit einem Messer vom Rumpf abgesetzt und mit einer Dusche gereinigt. Dabei könne Gehirn- und Rückenmarksubstanz austreten. Die Wissenschaftler fordern deshalb, die Kopfreinigung in einer spritzwasserdichten Kabine räumlich isoliert vom übrigen Schlachtkörper vorzunehmen, um eine Kontamination der Schlachtkörper zu vermeiden.
Als besonders risikoreich wird die EU-weit vorgeschriebene Längsspaltung des Tierkörpers in der Mitte der Wirbelsäule angesehen, da hierbei der Wirbelkanal eröffnet und das Rückenmark auf ganzer Länge durchtrennt wird. Dabei kann Nervengewebe nicht nur die Geräte, sondern auch angrenzende Fleischteile kontaminieren. BAFF und BgVV schlagen vor, auf die Spaltung der Tierkörper zu verzichten, solange keine zuverlässigen Verfahren zur Verfügung stehen, mit denen das Rückenmark zuvor vollständig entfernt und/oder die ungespaltene Wirbelsäule am Schlachtband herausgetrennt werden kann. (ED)
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