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Dagmar Behme zur Rolle Russlands am Agrarmarkt

Russlands gigantische Getreideernte hat monatelang die Konkurrenten am Weltmarkt erschauern lassen. Die Sorgen sind jedoch in dem Maße weggeschmolzen, wie der globale Weizenhandel floriert. Kaum noch ist die Rede davon, dass Russland seine Exporte mit hohen Erstattungen subventionieren könnte. Solche Hilfen waren im Dezember in Aussicht gestellt worden und hatten bis Weihnachten die Stimmung am europäischen Weizenmarkt paralysiert. Die Schockstarre hat sich jedoch nicht auf den tatsächlichen Handel ausgedehnt. Die EU hat bis Anfang Februar schon mehr als 13Mio. t Weichweizen aus der Ernte 2008 exportiert. Hinzu kommen umfangreiche Weizenmehlexporte. Russland selbst meldet bis Ende Januar Weizenexporte von mehr als 11 Mio. t. Und trotz der regen Konkurrenz am Weltmarkt halten sich die Weizenpreise in der EU auf hohem Niveau.

Russland konzentriert sich unterdessen auf den Aufbau der eigenen Getreidereserven. Bis heute sind in die staatliche Intervention knapp 7 Mio. t Getreide geflossen, darunter etwa 5 Mio. t Weizen. Doch selbst diese Mengen sind wenig aufregend, denn das Land ist mit bedenklich niedrigen Beständen in das laufende Wirtschaftsjahr gestartet. In der vorangegangenen Saison konnten nur Exportzölle den Ausverkauf russischen Weizens am Weltmarkt verhindern.

Kurzum: Russland hat aktuell weder Sorgen mit der Getreidevermarktung noch bereitet das Land anderen Marktteilnehmern Kopfzerbrechen. Moskau drücken im Agrarsektor gewichtigere Probleme. Das zeigen Markteingriffe für andere Produkte – wie etwa die wiederkehrende Erhöhung von Zöllen für Butter und Fleisch. Damit will die Regierung den Aufbau der heimischen Tierproduktion unterstützen. Doch die Expansion hält sich gar nicht an ehrgeizige Pläne aus den Moskauer Amtsstuben. So wird Russland auch 2009 am Weltmarkt das mit Abstand wichtigste Käuferland für Milchprodukte und Fleisch bleiben.

Die langfristige Perspektive für Russlands Agrarentwicklung ist schwer einzuschätzen. Zurzeit dominiert Protektionismus, wie auch die Erhöhung der Importzölle für Landmaschinen zeigt. Mit solchen Maßnahmen steht die Moskauer Regierung freilich angesichts der globalen Wirtschaftskrise nicht allein. Allerdings zeigt gerade dieses Beispiel den Unsinn von Handelsbeschränkungen. Schneidet sich das Land den Zugang zu westlicher Agrartechnik ab, zögert sich die Modernisierung der Landwirtschaft noch länger hinaus.

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