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Hinterer Platz im Ländervergleich - Studien aus Dänemark und den Niederlanden

30. Juni 2001; Wim Verseput, Kopenhagen

Das Kostenniveau der deutschen Schweinehaltung schneidet im Ländervergleich nur mäßig ab. Dies haben im Mai diesen Jahres durchgeführte Studien der dänischen Fleischbranchenorganisation Danske Slagterier (DS) sowie des niederländischen Agrarökonomischen Institutes (LEI), Wageningen, ergeben.

Auf dem Prüfstand von DS standen neben Deutschland in der EU auch Schweden, Dänemark selbst, die Niederlande, Großbritannien, Irland, Frankreich und Spanien auf dem Prüfstand. Außerhalb der EU wurden Kanada und die USA betrachtet. Dem Vergleich liegen Daten von 1999 zugrunde. Die kanadischen Schweinehalter haben die niedrigsten Kosten, und zwar 2,05 DM/kg Schlachtgewicht (SG). Die Silbermedaille geht an die USA mit Kosten von umgerechnet 2,23 DM/kg SG. Unter den acht europäischen Ländern, die von DS verglichen wurden, arbeiten die irischen Schweinehalter am billigsten mit 2,19 DM/kg SG, dagegen fallen in Schweden die höchsten Kosten an. Die deutschen Schweinehalter landen auf dem drittletzten Platz mit Produktionskosten von 2,68 DM/kg SG.

Hohe Lohnkosten

Der "Europameister" Irland zeichnet sich nach Ansicht der DS durch die niedrigen Finanzkosten und die preiswerte Arbeitskraft aus. Auch die Produktivität sei mit 22,1 Ferkeln pro Sau und Jahr beachtlich. Die verhältnismäßig hohen Kosten in Deutschland schreibt DS hauptsächlich dem Lohn- und Gehaltsniveau zu. Der deutsche Stundenlohn liege nach den Berechnungen von DS zwischen 30 und 40 DM. Einer Sau in Deutschland würden außerdem pro Jahr 15 Arbeitsstunden gewidmet und einem Schlachtschwein 0,4 Stunden. Dies ist doppelt soviel wie der durchschnittliche Zeitverbrauch eines dänischen Unternehmers. Zwar sei das Schlachtgewicht in Deutschland beträchtlich höher (93 kg), aber das könne nicht alles erklären, so die Verfasser der Studie. Nachteilige Faktoren seien nämlich auch die hohe Sterblichkeit von 14 Prozent in der Säugezeit und 2,9 Prozent danach bis zu einem Gewicht von 27 kg sowie die hohen Tierarztkosten.

Die Kosten der niederländischen Schweinehaltungen entsprechen mit 2,60 DM/kg SG laut DS-Studie in etwa denen in Dänemark. Trotzdem gebe es erhebliche Unterschiede zwischen den jeweiligen Kostenpositionen. Die niederländischen Erzeuger müssen in Anbetracht der hohen Schweinekonzentration von 904 (Dänemark: 275, Deutschland: 70 ) Tiere/km² viel mehr in die Bewältigung des Gülleüberschusses investieren. Ein Nachteil ergebe sich auch aus den steigenden und auch weiterhin zunehmenden gesetzlichen Tierschutz-Anforderungen. Dagegen beurteilen DS die niederländische Effizienz als stark, was auch für das hohe Schlachtgewicht gelte sowie für die Fähigkeit, neue Produktionsbedingungen zu berücksichtigen.

Fleischqualität verbessern

Auch in Dänemark habe der Tierschutz eine große Bedeutung, und zwar schon seit vielen Jahren, so DS. In engem Zusammenhang damit sei die weitgehend integrierte Brancheninfrastruktur zu sehen. Eine Stärke Dänemarks seien auch die niedrigen Futterkosten von nur 1,20 DM/kg SG. Nur die Nordamerikaner hätten noch preiswerteres Futter. Zu den günstigen dänischen Futterpreisen trage die Struktur in der Getreidebranche bei, die durch viele Anbieter mit nahezu identischen Produkten gekennzeichnet sei. Dies führe zu einem deutlichen Preisdruck.

Mit fast 23 produzierten Ferkeln/Sau und Jahr führen die Dänen die Rangliste an. Deutschland belegt mit nur 19,2 Ferkeln den siebten Platz nach Dänemark, Irland, Schweden, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. Die Schlusslichter bilden Kanada, Spanien und die USA. Trotzdem muss nach Ansicht von DS versucht werden, die Produktivität in Dänemark weiter zu steigern. Sonst verliere man auf Dauer Export-Marktanteile an Kanada, die USA und Spanien. Dass DS als Dachorganisation der drei verbliebenen dänischen Schlachtereikooperationen dazu bereit ist, zeigt sich deutlich. So unterzeichnete die Organisation vor einigen Tagen ein Abkommen mit dem chinesischen Genomics Institut in Peking über eine Zusammenarbeit, die in drei Jahren eine vollständige Bestandsaufnahme der Schweinegene ergeben soll. Ziel ist eine erleichterte Auswahl von Zuchttieren, um nicht nur die Produktivität, sondern auch die Fleischqualität zu verbessern.

Betriebsgrößen zu gering

Einen Ländervergleich der Produktionskosten in der Schweinehaltung führte auch das niederländische Agrarökonomische Institut (LEI) durch. Allerdings beschäftigen sich die Niederländer nur mit fünf EU-Ländern, nämlich den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Spanien und Dänemark. Als Vergleichsgröße für die Kosten wurde - anders als bei DS - das Lebendgewicht (LG) gewählt. Die Datengrundlage für Deutschland bilden Schweinehaltungen in Niedersachsen. Nach der LEI-Studie forderte die Mast eines deutschen Schweins 1999 umgerechnet gut 2,71 DM/kg LG und ist damit im Ländervergleich die teuerste. Das werde sich auch im Jahr 2004 nicht ändern, denn dann werden die entsprechenden Kosten den holländischen Prognosen zufolge bei DM 2,82 DM/kg LG liegen. Übereinstimmend mit den Ergebnissen von DS sind die Arbeitskosten für die Deutschen das größte Problem. Dies sei zurückzuführen auf die verhältnismäßig geringen Betriebsgrößen. Die niederländische Schweineerzeugung nimmt in der Rangliste des Wageninger Institutes mit 2,03 DM/kg LG einen mittleren Platz ein. Im Jahr 2004 werden die Kosten in den Niederlanden vermutlich auf knapp 2,20 DM steigen.

Allerdings weist das LEI darauf hin, dass die durchschnittlichen Kosten in einem Land oder Produktionsgebiet nicht den einzigen Maßstab für die Konkurrenzfähigkeit darstellen. Die Unterschiede innerhalb der Länder oder Produktionsgebiete seien beträchtlich. In den Niederlanden betrage die Kostenspanne zwischen den am günstigsten und am teuersten wirtschaftenden Unternehmen 0,37 DM/kg LG. Auch in anderen Ländern und Produktionsgebieten seien solche Unterschiede festzustellen. Am größten ist die Kostenspanne mit 0,89 DM/kg LG in Niedersachsen. Nach Ansicht des LEI ist für diese Unterschiede vor allem die Betriebsgröße von Ausschlag gebender Bedeutung. Je mehr Tiere im Betrieb stehen, um so niedriger sind die Kosten. In den Niederlanden, Niedersachsen und der Bretagne - stellvertretend für Frankreich - hätten die Betriebe mit den niedrigsten Kosten 50 Prozent mehr Schweine als in der Gruppe mit den höchsten Kosten. In Dänemark sei dieser Unterschied noch viel bemerkenswerter. Dort seien die Betriebe mit den niedrigsten Kosten durchschnittlich dreimal so groß wie in der Gruppe mit den höchsten Kosten.

Futter noch subventioniert

Der vom LEI hieraus gezogene Schluss lautet, dass für das länderspezifische Kostenniveau auch von Bedeutung ist, inwieweit die einzelnen Unternehmer es schaffen, die jeweils gleichen Möglichkeiten und Bedingungen auszunutzen. In diesem Punkt ist das LEI für den "eigenen" Sektor optimistisch. Die Anforderungen der Abnehmer an den Produktionsprozess nähmen immer mehr zu. Die niederländischen Erzeuger seien diesen Anforderungen schon oft gerecht geworden. Mehr als andere seien sie in der Lage, den Verbrauchern Garantien zu verschaffen über die Art und Weise, wie das Fleisch produziert wird, so das Wageninger Institut.

Die niedrigen Futterkosten in Dänemark führt das LEI jedoch - anders als DS - auf die ansehnlichen Subventionen zurück, die für das selbst erzeugte Getreide gezahlt werden. Zur Berechnung der Subventionen dienten dem LEI wegen des Bezugszeitraums 1999 die Prämien, die in der EU-Agrarreform von 1992 ausgehandelt wurden. Im Schnitt erhielt damals jeder dänische Betrieb pro Jahr aus dieser Subventionsquelle 49.000 DM. Dies gelte ebenfalls für Deutschland, so vermerkt das LEI.
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