Der 1998 an der Warenterminbörse in Hannover gestartete Schweinekontrakt steckt in der Krise. Auf den Kursblättern der mittlerweile in Leipzig gahndelten Hog- und Piglet-Futures herrscht Leere. Das ist vor den aktuellen Entwicklungen am Schweinemarkt für einige Händler umso unverständlicher.

Vogler-Pleite als mahnendes Beispiel

„So mancher Verarbeiter hat sich verkalkuliert. Die Vogler-Pleite ist nur eines von vielen Beispielen“, sagt ein Makler, der nicht namentlich genannt werden möchte. Der Fleischverarbeiter Vogler musste im Februar 2017 seine Geschäfte einstellen. Ursache soll sein, dass langfristige Lieferverträge geschlossen wurden, das Unternehmen dann aber von den rasant gestiegenen Rohstoffpreisen überrascht wurde. Der Preis kletterte von 1,41 im Juli 2016 auf heute 1,81 €/kg Schlachtgewicht. Dagegen hätte man sich an der Börse absichern können, so der Makler.

Börsenrat muss entscheiden


Eileen Hieke, bei der EEX für Public Relations verantwortlich, räumt ein, dass die Hog- und Piglet-Futures an der EEX bislang nur vereinzelt gehandelt werden. Eine Einstellung dieser Kontrakte für den Börsenhandel kann sie derzeit aber nicht bestätigen. Eine solche Entscheidung sei unter anderem durch den Börsenrat, dem Gremium aus gewählten Vertretern der Handelsteilnehmer, zu treffen. Klar ist, dass die Schweine-Futures für die EEX Kosten verursachen aber wegen des fehlenden Umsatzes keine Einnahmen bringen. Auf Dauer wird sich die Börse die Verluste nicht leisten wollen.

Viele Schulungen für die Landwirte


Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen kann die Gerüchte bestätigen. Auch er betont, dass insbesondere die Verarbeiter, neben den Erzeugern und den Spekulanten die dritte Partei für eine funktionierende Börse, sich mit ihrem Engagement zurückgehalten hätten. „Die Wirtschaft hat es nicht verstanden, einen Durchbruch zu erzielen. Das ist außerordentlich ärgerlich.“ Die Landwirte nimmt er in Schutz. Die Kammer hätte unzählige Warentermin-Fortbildungen abgehalten.

Krisentreffen ohne Ergebnis

Ende Mai hatte die EEX zu einem Krisentreffen eingeladen. Die Gespräche verliefen ohne greifbares Ergebnis, weil die Schlachtseite die Enladung ignoriert hatte. Keines der großen deutschen Schlachtunternehmen sei zu dem Treffen gekommen, berichtet einer der Teilnehmer. Auf Seiten der Schweinemäster ist man über dieses Verhalten verärgert. Bei Verarbeitungskartoffeln funktioniere die Börsenabsicherung doch auch. Dass es bei dem viel größeren Markt für Schlachtschweine und Schweinefleich nicht möglich sei, einen Börsenhandel auf die Beine zu stellen, sei traurig, so ein Schweinemäster gegenüber der agrarzeitung. (kbo/SB)
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