Die Aktiengesellschaft Vilmorin in der Groupe Limagrain zieht eine enttäuschende Bilanz aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15. Das zum 30. Juni endende Jahr konnte die ursprünglichen Erwartungen nicht erfüllen, gab das Unternehmen bei der Bilanzpressekonferenz unumwunden zu. Dennoch verzichtet Emmanuel Roger, CEO des weltweit viertgrößten Saatgutunternehmens, auf Sparpläne. Vielmehr sollen fortgesetzte Investitionen in Forschung und Unternehmenserweiterungen die Trendwende bringen.

Teure Weltpolitik

Vor allem das Geschäft mit Saatgut für den Ackerbau hat dem französischen Unternehmen die Bilanz verhagelt. Hinzu kam der Russland-Ukraine-Konflikt, der rund 20 Mio. € Umsatz gekostet habe. Der Umsatz von Vilmorin legte währungsbereinigt gegenüber 2013/14 nur um 1 Prozent zu auf 1,3 Mrd. €. Das operative Ergebnis ging sogar um fast 23 Prozent zurück auf 100 Mio. €. Der Umsatz mit Saatgut für den Ackerbau ging sogar um 3,3 Prozent zurück bei einer Rendite von 3,5 Prozent nach 8,5 Prozent im Vorjahr. Das Netto-Ergebnis der Sparte, das bislang 50 Prozent zum Ergebnis beigetragen hat, hat sich halbiert auf knapp 21 Mio. €. Hingegen erzielte die Sparte Gemüsesaatgut einen Umsatzzuwachs um 6,3 Prozent und eine Rendite von 15,6 Prozent. Das Nettoergebnis mit Gemüsesaatgut legte um knapp 10 Prozent zu.

Das konsolidierte Nettoergebnis von Vilmorin ging währungsbereinigt um 12,4 Mio. € zurück.
Vor allem das international wichtige Geschäft mit Maissaatgut - aber auch mit Sonnenblumensaatgut - hat unter den schwachen Preistendenzen für Konsumware und den rückläufigen Anbauflächen gelitten. In Europa schrumpfte die Maisfläche um rund 3 Prozent, in den USA um rund 1 Prozent und in Brasilien um rund 2 Prozent. Der Anbau von Sonnenblumen in Europa ging um 1 Prozent zurück, in der EU sogar um 3 Prozent.

Vorsichtige Prognose

Dennoch bleibt die Groupe Limagrain investitionsfreudig und optimistisch. Für das neue Geschäftsjahr gab es zunächst eine vorsichtige Prognose mit einem angestrebten Wachstum zwischen 0 und 2 Prozent und einer konstanten Gewinnmarge von etwa 8 Prozent. Zuletzt hatte Vilmorin mit einer Gewinnmarge von 10,3 Prozent geglänzt.

In Forschung und Entwicklung soll im nächsten Jahr erneut mehr investiert werden: insgesamt 225 Mio. € nach 211 Mio. € im abgelaufenen Geschäftsjahr. Somit wächst die Bedeutung der Forschungsausgaben von 17,4 auf 18,9 Prozent.

Joint Venture in China

Außerdem ruhen auf dem Wachstumsmarkt China große Hoffnungen, wie Emmanuel Roger bekannt gab. Die dortigen Behörden gaben vor Kurzem Grünes Licht für das Joint Venture mit der Anhui Hengji Seeds. Vilmorin hält eine Beteiligung von 45 Prozent an der Gansu Hengji Seeds, die Maissaatgut produzieren und vermarkten soll. Bereits heute verfügt Vilmorin über mehrere Aktivitäten in China mit 3 Mais-Forschungszentren und einer Forschungsstation für die Weizenzüchtung. Eine Maishybride sei in dem großen zukunftsträchtigen Markt bereits zugelassen, weitere werden in Kürze folgen. Außerdem gehört eine Maissaatgutaufbereitung mit einer Kapazität von 350 t/Tag zur Vilmorin-Engagement.

Blick auf Syngenta

Die erfreuliche Entwicklung im Gemüsesaatgutgeschäft weckt ebenfalls Investitionsbereitschaft. Auf Interesse gestoßen ist daher bei der Nummer zwei am globalen Markt die Ankündigung von Syngenta, sich vom Gemüsesaatgutgeschäft zu trennen. Allerdings will man bei Vilmorin erst genau hinschauen, was in dem Paket drin steckt, das die Nummer drei am Weltmarkt für Gemüsesaatgut anbietet. Zu vermuten ist, dass regional der Wettbewerb zu sehr leiden könnte. (brs)
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