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Bundesminister Horst Seehofer sieht dringenden Handlungsbedarf zur Sicherung der Eiweißversorgung für die Tierernährung. Die Auswirkungen der derzeitigen EU-Zulassungspraxis für Futtermittelimporte seien bedrohlich für die Veredlungswirtschaft, habe er in der vergangenen Woche auf der agrarpolitischen Fachtagung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin geäußert, berichtet AgE heute. Die Bundesregierung sei intensiv bemüht, zu einer Lösung des Problems beizutragen.
Zunächst müssten in der EU einheitliche Messverfahren für Gentechnisch Veränderte (GV)Futtermittel aus Drittländern zur Anwendung gebracht werden.
Nicht länger zu rechtfertigen sei die Nulltoleranz gegenüber GV-Bestandteilen in Futtermitteln. Dies führe dazu, dass selbst bei minimalsten Spuren von gentechnischen Verunreinigungen ganzen Schiffsladungen mit Sojamehl der Zugang nach Europa verwehrt werden müsse.
Die Zulassungsverfahren für GV-Sorten müssten grundlegend reformiert werden. Dazu Seehofer: "Wir brauchen eine Prüfung, die sich streng nach wissenschaftlichen Vorgaben richtet und frei ist von politischer Einflussnahme." Es sei nicht länger hinnehmbar, dass die Zulassung von GV-Sorten von den jeweiligen politischen Mehrheiten in den Mitgliedstaaten abhänge.
Der stellvertretende Kabinettschef von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel , Dr. Klaus-Dieter Borchardt, habe auf der Fachtagung vor den dramatischen Folgen der derzeitigen Einfuhrblockade gewarnt: "Gelingt es nicht, das Problem zu lösen, könnte uns innerhalb von zwei Jahren bis zu 50 Prozent der Tierproduktion in der EU wegbrechen", habe der Kommissionsbeamte geäußert. (FM)
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