Report Agrarmärkte 2017/18

Seidenstraße erschließt Agrarpotenzial

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China knüpft an den Mythos der Seidenstraße an. Die von der Regierung in Peking gestartete Initiative ‚One Belt, One Road‘ (OBOR) will Anrainerstaaten an der historischen Handelsroute von China über Zentralasien bis nach Europa zusammenführen und Seitenarme bis nach Südasien, Vorderasien und Afrika bilden. Im Vordergrund des Projektes, das auch als ‚neue Seidenstraße‘ bezeichnet wird, steht der Aufbau eines interkontinentalen Infrastruktur-Netzes. Darüber hinaus gerät die regionale Agrarentwicklung in den Fokus. Die fünf zentralasiatischen Staaten sind überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

Landwirtschaft hat hohen Modernisierungsbedarf

Mit Abstand größtes Agrarland mit erheblichem Exportpotenzial für Getreide ist Kasachstan. Usbekistan ist wesentlich kleiner, verfügt aber über einen bedeutenden Baumwollanbau. In Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan überwiegen dagegen Subsistenzbetriebe. Ungeachtet der großen strukturellen Unterschiede verbindet alle fünf Länder ein großer Modernisierungsbedarf in der Landwirtschaft.


China wiederum braucht Zugang zu Agrarrohstoffen. Allein zwischen den Jahren 2010 und 2015 sind die chinesischen Agrarimporte nach den Zahlen der Welthandelsorganisation (WTO) um fast 50 Prozent gestiegen. Weiteres Wachstum ist absehbar, seitdem die Regierung in Peking das Primat der Selbstversorgung nur noch für Weizen und Reis aufrechterhält. In Zentralasien verfolgt die Volksrepublik darüber hinaus geostrategische Ziele, die Irna Hofman von der Universität Leiden am Beispiel Tadschikistans herausgearbeitet hat. In ihrer Doktorarbeit hat die niederländische Wissenschaftlerin das Engagement chinesischer Landwirtschaftsunternehmen im Nachbarland analysiert. „Anfangs hatte man angenommen, dass das Streben nach Ernährungs- und Energiesicherheit hinter Chinas weltweiter Suche nach Landflächen steckt, doch eine tiefergehende und gründlichere Analyse zeigt, dass es noch andere Motive gibt“, schreibt Hofman. Sie nennt vorrangig den Export von Technologien, aber auch Chancen für ländliche Arbeitskräfte. In Tadschikistan haben sich nach ihrer Beobachtung kleine chinesische Bauernwirtschaften gebildet, denen Hofman besonderes Entwicklungspotenzial einräumt.

Chinesische Landarbeiter suchen ihr Glück

Häufig würden die Zuwanderer auch chinesische Restaurants oder Kantinen von chinesischen Unternehmen beliefern. Als Nebenaspekt vermutet die Wissenschaftlerin, dass die Stabilität in den Grenzregionen sowie langfristige geopolitische und internationale Kooperationen für das chinesische Engagement ebenfalls eine Rolle spielen.

In diesem Sommer rückt die zentralasiatische Region aber erst einmal touristisch in den Mittelpunkt. Kasachstans Hauptstadt richtet von Juni bis September die Weltausstellung Expo aus. Ab Astana können Besucher den Orient Silk Road Express buchen. Er steuert die Highlights der Seidenstraße an – auf der alten Route nach Usbekistan. (db)
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