Report Düngemittel

Sicherheit des Grundwassers steht an erster Stelle

Lastkraftwagen bringen die Gülle an den Feldrand. Der flüssige Wirtschaftsdünger gelangt über eine Andockstation direkt in den Tank zur Ausbringung auf dem Feld.
-- , Foto: Archiv
Lastkraftwagen bringen die Gülle an den Feldrand. Der flüssige Wirtschaftsdünger gelangt über eine Andockstation direkt in den Tank zur Ausbringung auf dem Feld.

Gemeinsam verstärken Landesregierung und Landwirtschaftskammer ihre Anstrengungen, das Problem der Nitratbelastung von Böden und Grundwasser zu minimieren. Dazu wurde jetzt das Projekt „Wirtschaftsdüngermanagement Niedersachsen" vom Agrarministerium in Hannover zusammen mit der Landwirtschaftskammer ins Leben gerufen. Geschlossene Nährstoffkreisläufe in der Landwirtschaft sollen gefördert und die Abgabe von Wirtschaftsdünger aus den Überschussregionen im Westen Niedersachsens an vieharme Gebiete besser kontrolliert werden.

Das Land fördert das dreijährige Projekt mit rund 900000 €. In dieser Zeit sind verschiedene Maßnahmen vorgesehen, die zum Ziel haben, Mineraldünger einzusparen und die Nitratbelastung zu senken. Zusammen wollen die Nährstoff Management Niedersachsen eG (NMN eG) und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) ein Zertifizierungssystem für Gülletransporte und Güllebörsen aufbauen. Um die Überwachung transparenter zu machen, erarbeiten sie zusammen einheitliche Standards, an die sich zugelassene Gülle-Spediteure halten müssen.

Düngebehörde im Aufbau

Darüber hinaus werden Landwirte angehalten, die Nährstoffgehalte ihrer Gülle genau zu dokumentieren. Mit diesem Wissen erreichen sie einen effizienten und sparsameren Einsatz von Mineraldüngern, hieß es zum Projektstart vo r Kurzem von Vertretern der Wasserwirtschaft, Kommunen, Landwirtschaft und der Logistikbranche in Cloppenburg.

Niedersachsen hat ein ganzes Bündel von Maßnahmen eingeleitet, um die Landwirte auf die neuen Anforderungen des Düngerechts und des Wasserrechts vorzubereiten. Neben dem Aufbau ordnungsrechtlicher Überwachungsmaßnahmen sowie dem organisatorischen und personellen Aufbau der Düngebehörde in der Landwirtschaftskammer gehört dazu das Verbundprojekt „Wirtschaftsdüngermanagement Niedersachsen“.

In Niedersachsen sind derzeit fast 50 Prozent der Grundwasserkörper oder entsprechend 60 Prozent der Landesfläche zu stark mit Nitrat belastet und damit in „schlechtem Zustand". Sogar 80 Prozent der Oberflächengewässer befinden sich in keinem „guten Zustand", wie ihn die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert, berichtete Horst Schörshusen, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium. Grund dafür seien überwiegend Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Flächen durch die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern, Gärresten und Mineraldüngern. Insgesamt, so weisen es die Nährstoffberichte des Landes aus, werden in Niedersachsen rund 80000 t Stickstoff und bis zu 40000 t Phosphor über den Bedarf der Pflanzen hinaus gedüngt. Schörshusen sieht hier ein „Mengen- und ein Verteilproblem bei Stickstoff und Phosphor. Es bedarf großer Anstrengungen, um die Nährstoffüberschüsse zu verringern“, sagte er bei der Vorstellung des Projektes in Cloppenburg. Ein Umdenken sei dringend notwendig. „Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft müssen eine bodengebundene Tierhaltung, geschlossene Nährstoffkreisläufe und eine effiziente Nutzung des Düngers sein, um Belastungen von Grundwasser, Oberflächengewässer und der Luft zu minimieren."

Kontrollierter Transport wichtig

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, pflichtete ihm bei: „Der Stickstoffüberschuss muss reduziert werden.“ Er forderte eine Anpassung des Stickstoffaufwandes in der Landwirtschaft. Hier setze das Verbundprojekt, das alle Akteure der Nährstoffkreislaufwirtschaft auf regionaler Ebene zusammenführe, an. „Gemeinsam wollen wir praktikable Lösungen erarbeiten, um mineralischen Dünger in Ackerbauregionen durch organische Dünger aus Tierhaltungsregionen zu ersetzen", sagte Schwetje. Dabei sei das oberste Ziel aller Beteiligten, die Düngeverordnung einzuhalten und gleichzeitig den Wasserschutz in aufnehmenden und abgebenden Regionen zu sichern.

„Die nächsten Nährstoffberichte zeigen, ob unsere Arbeit Früchte trägt", so der Kammerpräsident. Sicher sei die Verbringung von Wirtschaftsdüngern nicht die alleinige Lösung von Nährstoffproblemen in Niedersachsen, aber ein wichtiger Baustein. Und auch dies nur, wenn entsprechend Mineraldünger eingespart wird. Nur wenn Wirtschaftsdünger hohe Qualitätsstandards erfüllen, steige die Akzeptanz, diese überregional einzusetzen. (da)
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