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Eine Koexistenz von gentechnisch veränderten (GV) und herkömmlichen Pflanzen ist unter Einhaltung gewisser Bedingungen möglich. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des spanischen Forschungs- und Technologie-Instituts für Landwirtschaft und Ernährung (IRTA) in Lleida. Das Institut hat an Maiskulturen mit dem gleichen Entwicklungsverlauf und der gleichen Blühzeit untersucht, wie hoch der Eintrag von GV-Mais in konventionellen Nachbarkulturen durch Kreuzbestäubung ist und welche Abstände nötig sind, um den Schwellenwert von 0,9 Prozent, bei dem das Erntegut kennzeichnungspflichtig ist, zu unterschreiten. Das Forschungsinstitut empfiehlt laut einer Pressemitteilung zwischen Flächen von GV-Kulturen kleiner als 1 ha und Nachbarfeldern mit konventionellen Kulturpflanzen einen Abstand von 25 m, entsprechend vier Reihen, einzuhalten. Stehe die benachbarte konventionelle Kultur auf einer Fläche von weniger als 1 ha, empfiehlt der Forschungsbericht ebenfalls vier Reihen mit Nicht-GV-Mais als Puffer zu bestellen. Ist die benachbarte konventionelle Fläche größer als 1 ha, liegt der GVO-Eintrag auf Grund des Verdünnungseffektes unter 0,9 Prozent, und es bestehe keine Kennzeichnungspflicht.

In den Feldversuchen aus dem Jahre 2003 war eine Bt-Maisparzelle von 0,25 ha Größe eingebettet in eine 7,5 ha Parzelle, wobei die restliche Fläche mit konventionellem Mais bestellt war. Nach Ablauf des Bestäubungs- und Befruchtungszeitraums wurden mit beginnender Abreife in Abständen von 1, 2, 5 und 10 m ausgehend von allen Rändern der mit Bt-Mais bebauten Parzelle 205 Proben gezogen. Auf der Basis von gemahlenen Einzelkörnern erfolgte dann der analytische Nachweis auf das Vorhandensein des Bt-Gens. Untersucht wurde auch der Einfluss der Windrichtung. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei vorherrschend nordöstlicher Windrichtung der Anteil des Bt-Gens in Maisproben aus 10 m Entfernung vom GV-Mais bei weniger als 0,9 Prozent lag. Bei Winden aus entgegengesetzter Richtung betrug der Anteil des Bt-Gens in Maisproben aus 2 m Entfernung weniger als 0,9 Prozent. Die Kreuzbestäubung über das gesamte Versuchsfeld betrug im Durchschnitt weniger als 0,2 Prozent. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Bei größeren Entfernungen haben Windrichtung und -geschwindigkeit keine große Bedeutung.

Geplant sind weitere Versuchsanordnungen, um andere Einflussgrößen zu untersuchen. Beispielsweise seien Fragen offen bezüglich des Einfluss der Größe der GV-Anbaufläche, der sortenspezifischen Einflüsse und unterschiedlicher Blühzeitpunkte. Auch sei der Effekt unterschiedlicher Faktoren wie Maschinen, Lagerung oder überdauerndem Ausfallgetreide im Boden noch nicht ausreichend geklärt.

Für weitere Informationen zur Untersuchung und dem Versuchsaufbau steht die spanischsprachige Webseite der Antama zur Verfügung. Antama ist eine Stiftung, die sich für die Verbreitung neuer Technologien in der Landwirtschaft und Informationen darüber einsetzt. In Deutschland ist ein Kontakt auch über die Genius-Biotech GmbH, Darmstadt, möglich. (ED)

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