Séralini füllt Hohenheimer Hörsaal


Hitzig bleibt die Diskussion um eine Gentechnik-Studie aus Frankreich. Der Rektor der Uni Hohenheim sieht sogar die Notwendigkeit, die Redefreiheit zu verteidigen. 

Schätzungsweise 280 Besucher strömten am Mittwoch in das Hohenheimer Euroforum, um sich selbst ein Bild von Prof. Gilles-Eric Séralini zu machen. Sein Vortrag stand im Mittelpunkt einer Tagung zur Sicherheitsbewertung von Glyphosat. Der französische Wissenschaftler hatte im Sommer 2012 mit einer Studie über gesundheitliche Schäden an Ratten Aufruhr unter Wissenschaftlern und ein anhaltendes Medienecho hervorgerufen.

Die Studie ist wissenschaftlich stark angegriffen worden - zuletzt Ende November von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die der Untersuchung schwere methodische Mängel attestiert hatte. Séralini selbst räumte in dieser Woche in Hohenheim einige Schwachstellen in seiner Arbeit ein, spielte aber den Ball umso energischer zurück. Würden andere Studien - vor allem die der Industrie - nach ähnlich strengen Maßstäben beurteilt, kämen diese noch schlechter weg, meint der Franzose.

Neue Argumente wurden in der Hohenheimer Veranstaltung allerdings nicht ausgetauscht. Vielmehr ging es den Veranstaltern darum, dass die Beteiligten miteinander und nicht übereinander reden. Dieser Austausch war allerdings nur begrenzt möglich, da die im Programm angekündigten Referenten von der Efsa und vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gar nicht in Hohenheim erschienen waren.
 
Wie brisant die Debatte ist, verdeutlichte Prof. Stephan Dabbert, Rektor der Universität. Bei den Vorbereitungen der Tagung sei Kritik an der Entscheidung geäußert worden, Séralini einzuladen und damit seine Studie quasi aufzuwerten. „Ich bin sogar von renommierten Kollegen aufgefordert worden, kein Grußwort zu sprechen", erzählte Dabbert. Dieser Aufforderung folgte Dabbert nicht. Stattdessen nutzte er das Grußwort, um die Universität als einen „Ort der Redefreiheit und der Diskussion" zu verteidigen. (db)
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