Report Saatgut Raps

Starke Pflanzen brauchen wenig Schutz

Markus Melzer, Christoph Bretschneider und Christian Koch setzen auf Mulchsaat (v.l.n.r.).
-- , Foto: dg
Markus Melzer, Christoph Bretschneider und Christian Koch setzen auf Mulchsaat (v.l.n.r.).

Die Entscheidung gegen den Pflug fiel den Landwirten Markus Melzer und Christoph Bretschneider von der Sonnenberg GbR leicht. In dem hügeligen Gelände in der Nähe von Einbeck überwiegen die Vorteile. „Wenn wir die Flächen pflügen würden, flösse uns der Boden nach einem Regenschauer nach der Saat schnell weg“, weiß Melzer aus Erfahrung.

Mit der Mulchsaat passiert das nicht. „Wir erhalten den Boden und sorgen für Erosionsschutz“, ist er gemeinsam mit seinem Berufskollegen überzeugt. Dafür nehmen sie auch in Kauf, dass sie nach der Aussaat von Raps gegen den Aufwuchs von Auswuchsgetreide Glyphosat ausbringen müssen. Selbst, oder gerade im Wasserschutzgebiet, sehen sie diese Lösung als die bessere Alternative zur wiederholten Bodenbearbeitung an. Mit jeder Bearbeitung des Bodens wird Stickstoff aufgrund von Sauerstoffzufuhr und Nässe mineralisiert und freigesetzt. Das kann den Eintrag von Stickstoff ins Grundwasser zur Folge haben. Zudem sorgen sie mit der Mulchsaat für den Erhalt von Lebewesen im Boden. Selbstverständlich nutzen sie das umstrittene Mittel nur mit Augenmaß. Glyphosat zur Ernteerleichterung lehnen sie ab.

Die aktuellen Rapsbestände haben bereits im vergangenen Sommer und Herbst unter der Trockenheit gelitten. „Besonders auf den Tonkuppen war es zu trocken“, erklärt Bretschneider. So ist die Saat an einigen Stellen zögerlich aufgelaufen. Der kalte Winter hat ihr den Rest gegeben. Sie konnte nicht weiterwachsen. „In milden Wintern ist es durchaus möglich, dass Raps in unseren Breiten wächst“, erklärt Christian Koch von der Landberatung Northeim e.V. Er berät die Landwirte sowohl in betriebswirtschaftlichen als auch ackerbaulichen Fragen. In diesem Jahr mussten in Ahlshausen rund 5 Prozent der Rapsflächen umgebrochen werden. „Das haben wir so noch nicht erlebt“, so Melzer. Berater Koch ergänzt, dass in der gesamten Region von vornherein weniger Raps gedrillt wurde, weil es im Sommer zu trocken war. Hinzu kamen Umbruchflächen. „Etwa 15 Prozent weniger Raps werden wir allein aufgrund der geringeren Fläche ernten“, vermutet der Berater. In der GbR gehen die Agrarier zusätzlich von einem geringeren Ertrag aufgrund der schwierigen Aufwuchsbedingungen aus. Frost hat den Beständen während der Blüte zusätzlich geschadet. So könnten in diesem Jahr nur 4,0 bis 4,2 t/ha herauskommen. In Spitzenjahren liefen schon einmal bis zu 4,8 t/ha über die Waage.

--

Mit dem Verbot der insektiziden Beize beim Raps kommen die Niedersachsen einigermaßen klar. „Wächst der Raps kümmerlich heran, hat der Erdfloh mehr Chancen, ihm noch mehr zuzusetzen. Ist die Pflanze widerstandsfähiger, kann sie der Floh nicht mehr so stark schädigen“, so die Erfahrung von Melzer. Ist es notwendig, wird mit Insektiziden gegen den Schädling vorgegangen. Ansonsten helfen weite Fruchtfolgen. Nur alle vier Jahre sollte der Raps auf derselben Fläche stehen. Eingesetzt werden nur Hybridsorten. Clearfield-Raps, der gegen ein bestimmtes Herbizid resistent ist, setzen sie nicht ein. Sie wollen nachhaltig wirtschaften und eigenverantwortlich handeln können.

Für den Einkauf von Pflanzenschutzmitteln und Dünger sowie die Vermarktung von Getreide und Ölsaaten sind Melzer, Bretschneider sowie der dritte Gesellschafter Dr. Jan Christoph Friedrichs in Einkaufs- und Verkaufsgemeinschaften organisiert. „Selbst als 400-ha-Betrieb betrachten wir uns allein nicht als wettbewerbsfähig“, räumt Melzer ein. Getreide und Ölsaaten trocknen und lagern sie selbst. Im Laufe des Jahres wird alles an regionale Händler verkauft.(dg)
stats