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az: Wie weit liegen die Bodenpreise zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands auseinander?

Fuhrmann:
Mit 13,6 % p.a. lag der durchschnittliche jährliche Preiszuwachs seit 2005 in den neuen Bundesländern doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern (6,6 % p.a.). Damit haben sich die Preisniveaus zwar relativ angenähert, allerdings hat sich der absolute Preisabstand weiter erhöht.
Im Jahr 2015 weist die Statistik für die Altbundesländer mit 29.911 EUR/ha immer noch einen doppelt so hohen Wert aus wie in den neuen Bundesländern (14.197 EUR/ha). Eine fortgesetzte Angleichung der Preisniveaus ist nicht zu erwarten. Gründe hierfür sind die in den Altbundesländern deutlich höhere Wertschöpfung pro Hektar, kleinere Verkaufslose sowie die deutlich geringere Liquidität des westdeutschen Bodenmarktes.

Ist eine Beruhigung in den kommenden Monaten absehbar oder steigen die Bodenpreise weiter?

Fuhrmann:
Hier muss man differenzieren: In Veredlungsregionen sehen wir kurzfristig keine Trendwende der Bodenpreisentwicklung. Vor dem Hintergrund der anstehenden Düngeverordnung kann es hier sogar eher zu einer Intensivierung kommen. In ackerbaulich geprägten Regionen hat sich u. E. der Bodenmarkt bei abgeschwächten Ertragserwartungen, aber auch mit Blick auf stärker ausgelastete Kapitaldienstgrenzen der potentiellen Kaufinteressenten, bereits beruhigt. Der Markt bewegt sich seitwärts.

Die Serie
Die Finanzen-Serie Bodenmarkt gibt Lesern einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem Bodenmarkt und lässt Experten die wichtigsten Fragen beantworten. Sie erscheint in loser Folge.

Mehr Teile, mehr Fragen und vor allem mehr Antworten:

"Wirken Gesetze gegen hohe Preise?"
Matthias Schicke, Mitglied der Direktion des Ritterschaftlichen Kreditinstitut Stade (RKI), weiß Auskunft.
Raten Sie Landwirten angesichts der niedrigen Zinsen zum Bodenkauf?

Fuhrmann:
Bei dem erreichten Preisniveau dürften die Kapitalkosten des Kaufpreises bei durchschnittlich erfolgreicher Bewirtschaftung nicht allein aus der Nutzung der Zukauffläche erbracht werden können. Das heißt, der Cashflow aus dem bestehenden Unternehmen wird z.T. für den Flächenzukauf beansprucht.
Je schwächer also die wirtschaftliche Ausgangslage eines Unternehmens ist und je weiter man von einer Kostenführerschaft in der Flächennutzung entfernt ist, umso eher sollte man von (weiteren) Bodenankäufen absehen. Wer ausreichend freie Liquidität hat, kann Boden ankaufen und auf weiter steigende Bodenpreise spekulieren. Wir glauben allerdings, dass die Preisdynamik zum Erliegen gekommen ist.

Inwieweit unterstützen Banken den Bodenkauf?

Fuhrmann: Bodenkauf ist eine unternehmerische Entscheidung, die nicht ausschließlich quantitativen Gesichtspunkten folgt. Vor diesem Hintergrund werden Banken die Finanzierungen von Bodenkäufen mit Blick auf die Tragbarkeit der Finanzierung im Rahmen des Gesamtunternehmens prüfen. Ergibt sich aus der Prüfung eine stabile Finanzierungssituation werden die Banken entsprechendes Kapital bereitstellen. (got)
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