Report Smart Farming Pflanzenbau

Stete Fahrspuren tun Regenwürmern gut

Seit neun Jahren wird auch die Pflanzenschutzspritze in der Heubach-Schröder KG in Elxleben am südlichen Rand des Thüringer Beckens durch dieselben Gassen gelenkt.
-- , Fotos: Christian Mühlhausen
Seit neun Jahren wird auch die Pflanzenschutzspritze in der Heubach-Schröder KG in Elxleben am südlichen Rand des Thüringer Beckens durch dieselben Gassen gelenkt.

Ein gesunder Boden als Garant für optimal entwickelte Kulturen, die zu Höchsterträgen führen – der Wunsch eines jeden Ackerbauern. In der Praxis aber müssen immer wieder Abstriche gemacht werden, der so immens wichtige Boden kommt dabei regelrecht unter die Räder. Auf dem Betrieb der Heubach-Schröder KG im thüringischen Elxleben, nur einen Steinwurf südlich von Erfurt, ist das nicht anders. „Bodenschonung ist wichtig. Aber das eine ist die Theorie, das andere die Praxis“, sagt Mark Heubach, einer der beiden Geschäftsführer. Der 40-Jährige weiß, wovon er spricht. Aus seiner Sicht muss er häufig Abstriche vom Optimum machen, wenngleich auf einem sehr hohen Niveau.

Vorreiter in Deutschland

Denn der 1250 ha große Betrieb ist ganz vorn dabei, wenn es um Bodenschonung geht. Als einer der Pioniere in Deutschland setzt er seit neun Jahren bereits auf permanente Fahrgassen. Controlled Traffic Farming, kurz CTF, heißt das Stichwort und die englische Sprache gibt einen Hinweis darauf, wo dieses System bereits gängige Praxis ist: in Australien. „CTF basiert auf der einfachen Logik, dass Ackerfrüchte besser in lockerer Erde gedeihen und Räder besser auf Straßen funktionieren“, zitiert Heubach einen australischen Ausspruch. In der Tat ist es ein bisschen verrückt, was hierzulande für ein enormer Aufwand betrieben wird mit der optimalen, mechanischen Lockerung des Bodens und dem Anbau von lockernden Zwischenfrüchten – dieser Erfolg dann allerdings mit jeder Überfahrt schlagartig wieder zunichte gemacht werden kann. Untersuchungen haben ergeben, dass bis zu 75 Prozent einer Ackeroberfläche pro Jahr durch die verschiedenen Arbeitsgänge überfahren werden und dadurch die ungewollten, ertragsmindernden Verdichtungen entstehen. „Die können wir nicht verhindern. Aber wir können sie minimieren, so gut es eben geht“, macht Heubach den Ansatz deutlich.

Das System ist nicht neu, bereits 1850 gab es dazu erste Untersuchungen und Berichte, in den 1970er Jahren wurde es weltweit erneut diskutiert. Den großen Durchbruch erlebte CTF aber mit der Verfügbarkeit der Satellitentechnik für die Landwirtschaft, die Schlepper und Erntegeräte zentimetergenau in der Spur fahren lässt. „Das hat uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnet“, sagt Heubach. Erstmals im Jahr 2000 wurde auf dem Betrieb GPS eingesetzt, nämlich zur Flächenvermessung und den GPS-gestützten Bodenproben.

Fehlstellen werden vermieden

Mit dem Agrocom Outback S kam 2003 das erste Parallelfahrsystem für die Bodenbearbeitung mit dem Case Quadtrac und beim Pflanzenschutz für die Vorauflaufanwendungen zum Einsatz, Überlappungen oder nichtbearbeitete Flächen waren fortan weitgehend passé. Auch das endlose Suchen nach der Vorauflaufmarkierung zum Vorauflaufspritzen hatte ein Ende. Weitere Vorteile waren die Einsparung von Betriebsmitteln und variablen Maschinenkosten, eine höhere Arbeitsqualität durch die Vermeidung von Fehlstellen und eine deutliche Entlastung der Fahrer, vor allem bei Dunkelheit.

„Außerdem kann sich der Fahrer auf die Arbeitsqualität des Anbaugerätes statt aufs Lenken konzentrieren“, ergänzt Heubach. Weil nicht anschluss, sondern beetgefahren wird, geht das Wenden schneller und es entstehen weniger Spuren am Vorgewende.

Mit der Anschaffung des Autofarm A5 im Jahr 2007 wurden erstmals permanente Fahrgassen angelegt. Das hat sich bewährt, auf 90 Prozent der Schläge sind die Fahrgassen noch heute genauso. Auch für die präzise Aussaat, für Düngung und Pflanzenschutz wurden Real-Time-Kinematik (RTK)-gesteuerte Maschinen eingesetzt. Seit Sommer 2014 fahren auch die Mähdrescher über das System Geosteer von AgLeader mit RTK und erfassen dabei auch die exakten Erntemengen auf der Fläche.


Mark Heubach kontrolliert den Pflanzenbestand.
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Mark Heubach kontrolliert den Pflanzenbestand.

RTK ist etabliert

Was sich wie eine Erfolgsgeschichte liest, hatte aber auch Schattenseiten. So kam ein 2005 angeschafftes Parallelfahrsystem von Trimble nie richtig zum Einsatz, weil es auf dem Betrieb in der Praxis den damals einzig vorhandenen Egnos-Korrekturdatensatelliten aufgrund der ungünstigen Position nur sehr selten empfing, daher nur eine Genauigkeit von 2 bis 3 m erreichte und somit nicht wirklich funktionierte. Und über Kompatibilitätsprobleme – etwa der John-Deere-Raupe mit dem Autofarm-System A5 und zunehmenden Ausfallzeiten auf dem Acker aufgrund mangelnder Verfügbarkeit der US-amerikanischen GPS-Satelliten und starker Sonnenwinde, die das Signal deutlich verschlechtern, könnte Heubach vermutlich ein Buch schreiben. Da aber inzwischen fast alle Lenksysteme neben den US-amerikanischen GPS auch die russischen Glonass-Satelliten empfangen, sind die Ausfälle selbst nahe von Waldkanten oder in Tallagen sehr gering. „Ideal ist, wenn wir mindestens neun Satelliten empfangen“, erläutert Heubach, der sich seit seinem Studium in Osnabrück sowie in seiner anschließenden Zeit als Pflanzenbauberater intensiv mit der digitalen Landwirtschaft beschäftigt hat.

Heute fahren alle Maschinen, die auf dem Acker sind, mit RTK: Neben dem Quadtrac STX 530 für die Bodenbearbeitung sind das die John Deere 7930, 8530 sowie die Raupe RT 8360, der Pflanzenschutz-Selbstfahrer Leeb PT230 und die mit Raupenlaufwerk ausgestatteten Mähdrescher CR9090 von New Holland. Einzig der Teleskoplader ist nicht mit einem RTK-Lenksystem ausgestattet. „Der Nutzen wäre auch eher gering. Obwohl, wenn wir Feldsteine lesen, wäre es ein Traum, wenn der Lader autonom in den Fahrgassen fahren würde“, schmunzelt Heubach.


Die permanenten Fahrgassen werden so konsequent eingehalten, dass diese seit sechs Jahren nicht mehr tief bearbeitet werden. Hintergrund: Dort wachse nie eine Kultur, das Bearbeiten wäre sehr kraftaufwendig und die Bodenstruktur anschließend dort sehr grob. Zwar könne dadurch nicht mehr schräg gegrubbert werden. Man spare aber Zugkraftbedarf und Kraftstoff ein, verringere den Rollwiderstand beim Spritzen und Düngen. Außerdem sei die Befahrbarkeit nach Niederschlägen schneller und besser gegeben, was zu einer deutlichen Erhöhung der Feldarbeitstage und -stunden vor allem in nassen Frühjahren führt.

Händler vor Ort muss mitziehen

Trotz aller Baustellen und Kompromisse, die man eingehen müsse, ist sich Heubach sicher: „Wenn der Wille aller Beteiligten sowie die Investitionsbereitschaft da ist, lässt sich sehr viel erreichen.“ Gleichwohl brauche es einen langen Atem und Durchhaltevermögen sowie einen guten Händler vor Ort, wenn solch ein System etabliert werden soll. Auswirkungen auf den Ertrag kann Heubach mangels Vergleichsmöglichkeiten nicht nennen.

„Die arbeitstechnischen Vorzüge, die das System fester Fahrgassen mit sich bringt, sind allein aber schon ausreichend, um es anzuwenden und weiter auszubauen“, sagt der Thüringer Landwirt. Gleichwohl ist er überzeugt, dass es positive Auswirkungen – ein gesünderer, regenwurmreicher Boden, der mehr Wasser speichert – und damit auch positive Ertragseffekte gebe.

Christian Mühlhausen,
Landpixel, Rosdorf
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