Bei der Mehrgefahrenversicherung ihrer Ernte stehen Landwirte in Deutschland schlechter da als ihre Kollegen. Sie müssen auf Zuschüsse verzichten und werden zusätzlich mit hohen Steuern belastet. Mehrkosten von 58 €/ha muss ein Erzeuger in Deutschland kalkulieren gegenüber seinen Kollegen im europäischen Ausland, wenn er eine Mehrgefahrenversicherung abschließt, rechnet Thomas Gehrke von der Vereinigten Hagelversicherung VvaG (VH), Gießen, vor. Während für die Hagelversicherung nur ein Steuersatz von 20 Cent je 1.000 € Versicherungssumme gelte, werde die Versicherung gegen Auswinterung oder Starkregen dann mit 19 Prozent Steuer belastet, kritisiert er. In vielen Ländern der EU hingegen wird diese Form der privaten Vorsorge der Landwirtschaft unterstützt, indem keine Steuer darauf erhoben wird, berichtet er. Zusätzlich werde in vielen Ländern auch ein Zuschuss zur Versicherungsprämie gezahlt. Damit sei ein Versicherungsschutz gegen Bedrohungen der Ernte in Deutschland uninteressant, kritisiert Gehrke.

Die Versicherung gegen Hagelschäden gehöre für 70 Prozent der Ackerfläche mittlerweile zum Standard. Allerdings beobachtet VH-Experte Daniel Rittershaus, dass andere Gefahren für die Ernte immer mehr zunehmen. Schäden, die durch Sturm, Starkregen, Frost, Trockenheit und Auswinterung verursacht wurden, beliefen sich in den vergangenen Jahren auf das Fünffache des Hagelschadens. Erfahrungen der VH in Italien, Litauen oder Luxemburg zeigten, dass Mehrgefahrenversicherungen als System von Public-Private-Partnership für Landwirte interessant seien. (brs)
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