Katja Bongardt zum Arbeitsmarkt

Studenten werden mobiler. Auch wenn die Reform zur Harmonisierung des Studiums in Europa noch den ein oder anderen Misston trägt. Die Botschaft an die Studenten ist klar: Vergleiche und gehe dahin, wo es dir am besten passt. Bonuspunkte und einheitliche Abschlüsse machen das immer leichter. Das gilt mittlerweile für die meisten Studiengänge und auch für die Agrarwissenschaften.

Zu wundern braucht sich da niemand, wenn die an der Uni praktizierte Wahlfreiheit auch beim ersten Job umgesetzt wird: vergleichen und den Job nehmen, der am besten passt. Und hier kann es für die Arbeitgeber im Agribusiness doch richtig spannend werden. Welche Töne sind eigentlich anzuschlagen, um junge Agrarwissenschaftler anzuziehen? Gezwitscher über den Mikro-Blog-Internet-Kanal Twitter oder eine coole Facebookseite? Nicht nur der Karrieretag der agrarzeitung in dieser Woche an der Uni Göttingen hat gezeigt, dass es Studenten auch ganz klassisch mögen und gebotene Gelegenheiten gerne für sich nutzen: direkte Gespräche führen und die Menschen hinter dem Unternehmen kennenlernen. Prima, dass die Betriebe dafür eine Menge Möglichkeiten haben: beispielsweise Praktika anbieten oder Kooperationen mit den Hochschulen für Master- und Bachelorarbeiten schließen. Gerade ist noch ein neues Instrument zum gegenseitigen und frühzeitigen Kennen- lernen hinzugekommen. In diesem Sommer startet das nationale Stipendienprogramm. Es unterstützt motivierte Studenten mit 300 € monatlich. Die eine Hälfte der Mittel finanziert dabei der Staat aus der Bundeskasse. Die restlichen 150 € sollen private Geldgeber stiften. Zum Sommersemester 2011 werden die ersten Deutschland-Stipendien ausgeteilt. Schade nur, dass bisher so wenige aus dem Agribusiness mitmachen. Die Bayer AG stiftet zwar geberfreudig 100 Plätze und auch die Rentenbank ist mit dabei. Doch wo sind eigentlich all die anderen?

Das Statistische Bundesamt vermeldet in dieser Woche rund 4 Prozent mehr Studienanfänger. Und auch die Abschaffung der Wehrpflicht wird vermutlich einige junge Menschen mehr an die Hochschulen holen. Doch das allein wird den Fachkräftebedarf für die Zukunft kaum decken können. Das bekommen auch die Unternehmen im Agribusiness zu spüren. Diejenigen, die mit Arbeitgebern in den beliebteren Ballungszentren zu konkurrieren haben, merken das bereits jetzt schon. So ist es vielleicht kein Zufall, dass Claas aus Harsewinkel in diesen Tagen auf Deutschlands größter Jobmesse, dem Kölner Absolventenkongress, vorstellig wird.

Denn klar ist: Einfach nur einen Anforderungskatalog an Bewerber auszuformulieren, reicht nicht mehr, um die besten Absolventen für sich zu gewinnen. Die Arbeitgeber müssen etwas bieten – und sollten vielleicht einfach ein bisschen mehr auf den Tisch legen: beispielsweise eine gute Bezahlung für Bachelorabsolventen, die bereits nach drei Jahren ihr Studium abschließen. Und was spricht dagegen, wenn sich Unternehmen schon frühzeitig, während sich der Nachwuchs noch in der Ausbildung befindet, über Förderungen und Stipendien einbringen. Ein bisschen mehr Beweglichkeit und Investitionsfreude täte der Branche gut, um die klugen Köpfe zu binden. Wieso also nicht einfach Stiften gehen? Idealerweise, bevor es die Studenten tun.
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