Stefanie Awater zu Ilse Aigner

Der Terminplan wird immer ausgedünnter. Ein paar Biohöfe im Landkreis München wolle sie noch besuchen, sagt Agrarministerin Ilse Aigner auf die Frage, was sie bis zur Bundestagswahl im September noch vorhabe.

Sie hat ihre liebe Müh gehabt mit dem Amt als Landwirtschaftsministerin, das sie erst im Oktober 2008 überraschend antrat. Vor allem die eigenen Leute in Bayern haben die CSU-Politikerin regelmäßig auf die Probe gestellt - seien es Gentechnikgegner, Milch bauern oder die Landwirte, die ihre Direktzahlungen nicht im Internet veröffentlicht haben wollten. Schon gibt es Spekulationen, ob Aigner wohl weitermachen will - oder besser, ob sie es darf. Sie selbst wirkt motiviert, hat sie sich doch gerade so gut eingearbeitet. Es hört sich schon fast sportlich an, wenn sie vor einem Treffen mit den mächtigen Verbänden aus Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel mutmaßt: „Das gibt wieder Diskussionen mit denen." Sie hat sich im Konflikt mit den Verbänden, aber auch mit den Kollegen auf EU-Ebene die Hörner abgewetzt. Milch, Gentechnik, Verbraucherschutz, Kennzeichnung von Lebensmitteln: zu allem hat Aigner genaue Vorstellungen. Ihr bisher größter Wunsch, dass die EU-Kommission die Milchquotenerhöhung 2010 aussetzen möge, bleibt wohl unerfüllt. Mit der Milchmarktanalyse diese Woche hat sie dafür noch einmal einen Dämpfer aus Brüssel bekommen. Das verleitet Aigner nun zum Trotz. Das Milchproblem sei ein europäisches, die Quotenerhöhung trage zu den Übermengen bei. Darauf hätte Deutschland schon immer verwiesen, wiederholt sie in dieser Woche nach der Veröffentlichung der Studie gebetsmühlenartig. Auch wenn ihre Unterstützung in diesem Punkt in Brüssel winzig ist. Aigner gibt sich dabei auch diese Woche noch nicht geschlagen. Sie kämpfe weiter, entfährt es der Politikerin, die sonst nicht zu den üblichen Politikerfloskeln neigt. So hinterlässt Aigner bis zum Schluss einen zupackenden Eindruck. Und das, obwohl sie das ein oder andere Mal alt aussah. Vor allem, als sie die Gentechnikdebatte lostrat.

Was bleibt, ist eine Frau, die sich so schnell nicht in eine Schublade stecken lassen will. Ihre Vision war immer, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter einen Hut zu bekommen. Denn schließlich geht es nach ihrer Überzeugung um die Qualität von Lebensmitteln, die allen diene. Mit dieser Ansicht hat sie versucht, es allen recht zu machen. Dass sie damit scheitert, ist nicht verwunderlich. So verabschiedet sich die Politikerin in die Sommerpause und den Wahlkampf. Überlassen bleiben den Landwirten die ungelösten Probleme.
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