Individuelle Mischungen werden immer beliebter. Die schlagspezifische Düngung nach Rezept hat Zukunft. Die Düngeverordnung leistet dieser Methode Vorschub.


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az: Mischanlagen liegen im Trend. Woher kommt der große Zuspruch?

Drews: Die Zahl der Anlagen ist in den vergangenen Jahren erfreulich gestiegen. Aktuell gehen wir von 278 Mischstationen in Deutschland aus. Jede Anlage mischt geschätzt 3000 Tonnen pro Jahr. Somit liegen wir bei 800000 bis 850000 Tonnen pro Jahr Mischdünger.

Hält der Zuwachs an?

Drews: Ja, denn die Nachfrage nach individuellen Düngermischungen wird weiterhin steigen, um die exakte Nährstoffmenge den Kulturen zuzuführen und nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben.

Kommt Ihnen die neue Düngeverordnung entgegen?

Drews: Ja, das ist so. Gleichzeitig wird aufgrund der besseren Verteilung der organischen Dünger die Mineraldüngeranwendung beispielsweise in Niedersachsen geringer werden. Der Auftrag zum Düngermischen wird deshalb zunehmen, weil die strengen Regeln der Düngeverordnung ein präzises Düngen erfordern.

Wann werden die meisten Mischdünger eingesetzt?

Drews: Weitgehend zur ersten Gabe im Frühjahr. Zur Qualitätsgabe wird nur Stickstoff in reiner Form gedüngt. Im Herbst wird sich die Düngung auf Phosphat und Kali beschränken, da eine Stickstoffdüngung nach der neuen Düngeverordnung fast nicht mehr möglich ist. Wir sehen im Einsatz von Mischdüngern einen enormen Vorteil, weil die Landwirte so Überfahrten sparen können. Dies ist besonders bei steigenden Energiepreisen von Bedeutung. Der Landwirt wird stets an Kosteneinsparungen interessiert sein. Das Vermeiden von Überfahrten spart Zeit und Geld.

Warum gibt es Vorbehalte, im Düngermischer-Verband Mitglied zu sein?

Drews: Einige Düngermischer verzichten auf eine Zusammenarbeit mit unserem Verband, ohne die Vorteile dieser Organisation zu kennen. Wir bieten unseren Mitgliedern eine Möglichkeit des Gedankenaustausches und der Information. Durch unsere Zusammenarbeit mit Hochschulen, anderen europäischen Verbänden und Institutionen leisten wir Lobbyarbeit für das Düngermischen.

Ferner haben wir das Chemiebüro in Regensburg eingeschaltet, das unsere Mitglieder individuell zu Sondertarifen in Fragen der Deklaration, des Sicherheitsdatenblattes und der CLP-Verordnung beraten kann.

Gibt es Verbesserungsbedarf?

Drews: Stillstand ist eine Gefahr! Wir müssen auf die aktuellen Ereignisse noch schneller reagieren. Wir haben im Verband Umfragen gemacht, wie die Düngemittel-Verkehrskontrolle durchgeführt wird. Die Kontrolle wird von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich gehandhabt. Hier versuchen wir, mit den Verantwortlichen in Kontakt zu treten und ins Gespräch zu kommen.


Zur Person
Seit Februar dieses Jahres ist Dr. Jörg-Ulrich Drews auch Präsident des europäischen Mischerverbandes, der European Fertilizer Blenders Association (EFBA). Mitglieder sind Frankreich, Irland, England, Italien, Belgien, Niederlande und Deutschland. Wie in Deutschland wirbt Drews auch auf europäischer Ebene um mehr Mitglieder. da

Wo liegt das Problem?

Drews: Insbesondere die Gebührenerhebung für unangekündigte Kontrollen ist in unseren Augen ein Unding. Das gilt nicht nur für Mischdünger, sondern allgemein. Stellen die Kontrolleure Unregelmäßigkeiten fest, dann ist ein Bußgeld gerechtfertigt. Allerdings ist eine Zahlung nicht angebracht, nur weil die Kontrolle durchgeführt wurde.

Die Branche ist gegenüber Mischdünger aufgeschlossener. Worauf begründen Sie diesen Wandel?

Drews: Die Branche orientiert sich an den Anforderungen des Marktes. Die ständige Qualitätsverbesserung führt zu einer erhöhten Bedeutung des Düngermischens und des Absatzes von Mischdüngern. Voraussetzung für weitere Steigerungen ist, dass die Betriebe gute Rohware einsetzen, die auch zu guten Endprodukten führt. Es hat keinen Sinn, und das betonen wir immer wieder, Billigware einzusetzen, um dann ein gutes Produkt zu erzielen. Das geht in keiner Branche. Für den Einzelhändler und die Genossenschaft ist es so, dass nur die einzelnen Mischkomponenten im Lager vorgehalten werden müssen, und somit ist eine größere Flexibilität gegeben.

Wie ist die Akzeptanz zum Mischen in anderen europäischen Ländern?

Drews: In England gibt es riesige Mischstationen und auch in Frankreich ist der Mischdünger etabliert.


Das Gespräch führte Daphne Huber-Wagner
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