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Dietrich Holler zu Nordzucker und Danisco

Er war so richtig stolz. Als Hans-Gerd Birlenberg im vergangenen Sommer den Kauf von Daniscos Zuckersparte verkündete, wirkte der Vorstandschef der Nordzucker AG sehr zufrieden. Ob Birlenbergs selbstbewusster Auftritt nur Fassade war, sei dahingestellt. Sicher scheint dagegen: Das Bundeskartellamt hatte dem Nordzucker-Management sehr früh signalisiert, dass die Übernahme von Daniscos Zuckersparte nur mit Auflagen über die Bühne gehen würde.

Seit dieser Woche ist es nun offiziell: Die Zuckerfabrik in Anklam, Daniscos einziger deutscher Standort, muss aus dem Gesamtpaket herausgelöst werden. Nordzuckers niederländischer Konkurrent Cosun übernimmt das Werk. Das Ganze taugt zum Lehrstück für Wirtschaftspolitik: Eine Behörde wie das Bundeskartellamt kommt über den Blick auf den deutschen (Zucker-) Markt nicht hinaus. Die Reform der EU-Zuckermarktordnung wurde von der Welthandelsorganisation unter globalen Maßstäben eingefordert. Was Diplomaten auf internationalem Parkett beschließen, exekutieren Amtsdiener nach eigenen Maßstäben und mit begrenztem nationalen Instrumentarium. Die Wettbewerbshüter gehören zu den Gewinnern des Deals zwischen Nordzucker, Danisco und Cosun. Das Kartellamt möchte wahrgenommen werden und zeigt dafür klare Kante. Auftrag erfüllt und Existenz verlängert.

Auch Danisco ist bei der jetzt beschlossenen Regelung weiterhin auf der Gewinnerseite. Der Konzern wollte sich von seiner Zuckersparte trennen, weil diese immer weniger zu den Gesamterlösen beigetragen hat. Für Danisco ist es daher zweitrangig, wer das Zuckergeschäft übernimmt. Hauptsache, weg damit. Nordzucker jedoch konnte sich den Käufer für das Anklamer Werk nicht wirklich aussuchen und ist damit hinsichtlich weiterer Preisverhandlungen in einer äußerst schwachen Position. Nordzucker hat Erkenntnisse im deutschen Kartellrecht gewonnen. Sieger sehen anders aus.

Dänische und schwedische Landwirte, die ihre Rüben bislang an Danisco geliefert haben, sollen künftig Teilhaber werden: Nordzucker will bis zu 49 Prozent seiner Akquisition an die skandinavischen Erzeuger verkaufen. Offen ist, wer das Heft des Handelns in der Hand hat – Nordzucker oder die nordischen Bauern. Die Landwirte in Vorpommern fühlen sich als Gewinner. Cosun muss das Werk Anklam weiterbetreiben. Die von einigen Erzeugern befürchtete Stilllegung ist vom Tisch und der Rübenanbau in einer extrem strukturschwachen Region vorerst gesichert. Und darauf ist das Management in Anklam vermutlich ein wenig stolz.

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