Kartell

Strafe für Zuckerhersteller


Schwierige Zeiten für Zuckerhersteller.
-- , Foto: Acidpix / flickr
Schwierige Zeiten für Zuckerhersteller.

Bußgelder von insgesamt rund 280 Mio. € haben die Wettbewerbshüter in Bonn gegen die deutschen Zuckerhersteller Pfeifer & Langen, Köln, Südzucker AG, Mannheim/Ochsenfurt, und die Nordzucker AG in Braunschweig verhängt. Das Bundeskartellamt wirft den Unternehmen wettbewerbsbeschränkende Gebiets-, Quoten- und Preisabsprachen vor.

Der Bußgeldbescheid richtet sich nach weiteren Angaben der Bonner Behörde von heute auch gegen sieben persönlich Verantwortliche. Die Geldbußen sind noch nicht rechtskräftig. Gegen die Bescheide kann Einspruch eingelegt werden, über den dann das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheidet.

Hohe Summe für Südzucker

Die Südzucker AG hat sich nach eigenen Angaben zu einer Bußgeldzahlung von 195,5 Mio. € gegen Beilegung des Verfahrens im Rahmen eines Settlements bereit erklärt. Davon verspricht sich der Zuckerproduzent, Rechts- und Planungssicherheit zu erlangen. Südzucker geht trotz der Strafe für das Geschäftsjahr 2013/14 unverändert von einem operativen Ergebnis von rund 650 (Vorjahr: 974) Mio. € aus. Die Bußgeldzahlung werde jedoch das Ergebnis aus Restrukturierung und Sondereinflüssen des laufenden Geschäftsjahres belasten.

Nordzucker kooperiert mit Wettbewerbshütern

Die Nordzucker AG hat nach Angaben der Bonner Behörde "umfassend" mit dem Bundeskartellamt kooperiert. Daher erhielten die Braunschweiger einen weitreichenden Bußgelderlass. Eine Unternehmenssprecherin teilte auf Anfrage von agrarzeitung.de mit, Nordzucker müsse einen einstelligen Millionenbetrag zahlen.

Pfeifer & Langen hat sich nach einer Mitteilung von Dienstag dazu entschieden, sich im Rahmen eines Settlements mit dem Kartellamt zu verständigen. Das Familienunternehmen wollte so Belastungen vermeiden, die mit einem mehrjährigen Gerichtsverfahren für die Leitung und den Geschäftsbetrieb verbunden wären. Zur Höhe des Bußgeldes machten die Kölner keine Angaben.

Die Verstöße der drei Zuckerhersteller beziehen sich laut dem Bundeskartellamt sowohl auf Verarbeitungszucker als auch auf Haushaltszucker. Sie reichten teilweise bis Mitte der 1990er Jahre zurück und seien bis zu Durchsuchungen durch die Wettbewerbshüter 2009 praktiziert worden. Die drei beschuldigten Unternehmen hätten ein „Gebietskartell“ gegründet, erläutert der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt. Ziel der Absprachen seien möglichst hohe Zuckerpreise gewesen.

Dabei hätten die Unternehmen sich darauf verständigt, sich beim Vertrieb von Zucker in Deutschland im Wesentlichen auf ihre angestammten Gebiete zu beschränken. Die Absprachen betrafen demnach unter anderem Expansionsstrategien, Quotenverteilungen und Preise für Haushalts- und Verabreitungszucker.

Absprachen über Produktionsmengen

Ab dem Jahr 2005 hatte die EU-Kommission ihre Produktionsquoten für Zucker schrittweise abgesenkt. Daraufhin hätten sich die Nordzucker, Pfeifer & Langen und Südzucker 2008 über ihre zukünftigen Produktionsmengen und die unternehmensbezogenen Quotenrückgaben abgestimmt, teilt das Kartellamt weiter mit.

Dadurch sollte ein Überangebot an Zucker in Deutschland und ein damit verbundener Preisverfall verhindert werden. Industriekunden hätten in der Folge von erheblichen Preissteigerungen und Versorgungsengpässen bei Zucker berichtet. (pio)
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