Die Kennzeichnungsvorschriften zur Gentechnik gewährleisten weder in Europa noch in Deutschland eine "echte Wahlfreiheit". In vielen Bereichen erhalten die Verbraucher keine eindeutigen Informationen über Anwendungen gentechnisch veränderter Organismen (GVO). Zu diesem Ergebnis kommt eine juristische Studie der Universität Bayreuth am Institut für Deutsches und Europäisches Lebensmittelrecht. Untersucht wurden sowohl die EU-Vorschriften als auch die nur in Deutschland geltende "ohne Gentechnik"-Kennzeichnung. "Verwirrende Ausnahmen" sowie einen "Mangel an Transparenz und Wahlfreiheit" haben die Wissenschaftler festgestellt und fordern eine Überarbeitung der Vorschriften, berichtet transgen.de. Der Verbraucher bekomme durch die bestehende Kennzeichnung "ohne Gentechnik" keine Information, die seine Wahlfreiheit bei der Kaufentscheidung garantiere, zumal verschiedene Gentechnik-Anwendungen bei "ohne Gentechnik"-Produkten gesetzlich erlaubt seien. Laut der Studie lässt der Gesetzgeber eine mögliche Verbrauchertäuschung ausdrücklich zu.

Auch die in den EU-Vorschriften gesetzlich vorgegebene Gentechnik-Kennzeichnung sei "aus Verbrauchersicht wenig überzeugend". Die zahlreichen Ausnahmen von der Kennzeichnungspflicht erlaubten dem Verbraucher nicht den Schluss, das von ihm erworbene Lebensmittel habe keinerlei Berührung mit der Gentechnik gehabt. Denn Zusatzstoffe oder Enzyme, die mit GV-Mikroorganismen hergestellt wurden, müssen ebenso wenig gekennzeichnet werden wie Milch, Eier oder Fleisch von Tieren, die mit GV-Pflanzen gefüttert wurden. (az)
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