Studie kritisiert hohe Gewässerbelastung


Kritik am EU-Zulassungsverfahren für Insektizide üben Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau. Der Industrieverband Agrar (IVA) will die Relevanz der Aussagen prüfen.

Eine neue Studie, die am Mittwoch in einer Online-Version veröffentlicht worden ist, will nachweisen, dass in Gewässern häufig höhere Rückstände an Insektiziden zu finden sind als die Werte, die für die Zulassung den Ausschlag geben. Die Wissenschaftler stellen deswegen das Zulassungsverfahren grundsätzlich in Frage.

Einträge von Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässer werden in den Zulassungsverfahren simuliert. Die prognostizierten Konzentrationen gehen in die Bewertung ein. Wenn die Wirkstoffe Grenzwerte unterschreiten, können die Produkte schließlich an den Markt kommen. Die jetzige Studie der Uni Koblenz-Landau kommt jedoch zu dem Schluss, dass die errechnete Wirkstoffbelastung die Realität unterschätzt.

Dazu sind am Institut für Umweltwissenschaften in Landau in 122 Fällen die gemessenen mit den errechneten Werten verglichen worden. Prof. Ralf Schulz als einer der Autoren bezeichnet das Ergebnis als „besorgniserregend". In bis zu vier von zehn Fällen seien höhere Belastungen der Gewässer gefunden worden. „Entweder ist die Zulassung von Insektiziden oder die landwirtschaftliche Praxis mit erheblichen Fehlern behaftet - vermutlich sogar beides", ergänzt Schulz.

Die im Industrieverband Agrar (IVA) zusammengeschlossenen Unternehmen werden die Studie eingehend und schnell analysieren, kündigt Volker Koch-Achelpöhler an. „Gewässerschutz steht ganz oben auf der Agenda der deutschen Pflanzenschutz-Hersteller", versichert der Hauptgeschäftsführer des IVA in einer ersten Stellungnahme. (db)
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