Zyklus

Südzucker geht in die Knie

Vorstandssprecher Dr. Wolfgang Heer und Finanzvorstand Thomas Köbl
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Vorstandssprecher Dr. Wolfgang Heer und Finanzvorstand Thomas Köbl

Im verflixten siebten Jahr muss Europas größtes Zuckerunternehmen zugeben, dass sich die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn nicht erfüllt haben. Im Geschäftsjahr 2013/14 (März/Februar) sinkt der Gewinn um 32 Prozent auf 658 Mio. € deutlich.

"Den Löwenanteil des Rückgangs trägt das Segment Zucker", erläutert heute Vorstandssprecher Dr. Wolfgang Heer während der Bilanzpressekonferenz in Mannheim. Hier seien die Kurseinbrüche für Zucker auf dem Weltmarkt seit Oktober 2013 voll durchgeschlagen. Eigentlich rechnete der Konzern mit solchen Tiefschlägen erst ab Oktober 2017, wenn mit dem Ende von Zuckerquoten und Mindestpreisen ein liberalisierter Markt in der EU die Unternehmen mit voller Wucht treffen wird.

Erschwerend hinzu kam kurz vor Ende des Geschäftsjahres im Februar 2014 eine Kartellstrafe in Höhe von 195 Mio. €. Dazu wurden Rückstellungen aufgelöst.

Jetzt richten sich alle Augen darauf, wie es weitergeht. Natürlich wird gespart, auch beim Personal. Denn neben der Effizienz der Zuckererzeugung soll auch die Verwaltung schlanker gestaltet werden. Den Landwirten will Südzucker ab 2017 ein flexibles Rübenpreissystem anbieten, um den Anbau attraktiver zu machen. Die Kampagne soll künftig 120 Tage dauern.

Zukäufe sind möglich

Ab 2017 will Südzucker alle Exportchancen nutzen, denn ohne Beschränkungen kann das Unternehmen so viel Weißzucker auf dem Weltmarkt exportieren wie es will. Auch gegenüber Zukäufen gibt sich Heer aufgeschlossen. „Brasilien ist eine interessante Variante. Die Region verspricht hohe Rohzuckererträge“, bekräftigt er frühere Aussagen seines Kollegen Thomas Köbl. „Wir glauben weiter an Zucker“, hält Heer die Fahne hoch.

Bis 2020 wird die Nachfrage nach Zucker steigen. Der vorhergesagte globale Verbrauch von 30 Mio. t dürfte aber nur zu bedienen sein, wenn höhere Zuckerpreise wieder Anreize für Hersteller bieten, neue Anlagen zu bauen, verbreitet der Vorstandssprecher Mut. Derzeit lähmten schwache Kurse alle Investitionen.

Kurzfristig stehen Südzucker schwere Zeiten bevor: „Wir werden einen massiven Rückgang bei Zucker im laufenden Geschäftsjahr 2014/15 haben, der vor allem erlösbedingt ist“, prognostiziert Finanzvorstand Kölbl. Er spricht von einem operativen Ergebnis von rund 200 Mio. €. Mittelfristig ab dem Geschäftsjahr 2018/19 dürfte es wieder besser laufen. Dann stellt Kölbl ein operatives Ergebnis von 500 Mio. € in Aussicht.

Bis dahin werden sich die Aktionäre noch gedulden müssen und daran zu knabbern haben, dass das Traditionsunternehmen verstärkt in das Rohzuckergeschäft einsteigen will. Der Gewinnrückgang lässt 2013/14 nur eine Dividende von 50 Cent je Aktie zu; vor einem Jahr waren es noch 90 Cent je Aktie. (da)
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