Als Syngenta am heutigen Dienstag über den um 3 Prozent niedrigeren Umsatz für das dritte Quartal berichtet, ist von ChemChina nichts lesen – zunächst. Doch ganz am Ende stehen drei Sätze, die signalisieren: Die Übernahme durch den Staatskonzern ist komplizierter als gedacht und wird sich verzögern.

Aufseher fordern mehr Informationen

Wegen der Konsolidierung der gesamten Agrarchemiebranche hätten die Aufsichtsbehörden in der EU und andernorts vor kurzem viele zusätzliche Informationen angefordert, teilte Syngenta mit. „Jetzt rechnen wir damit, dass sich der regulatorische Prozess bis ins erste Quartal 2017 erstrecken wird“, sagte Sygenta-Chef Erik Fyrwald. Einen Tag zuvor sackte der Börsenkurs von Syngenta in der Spitze um mehr als 8 Prozent ab, weil Investoren Zweifel an einer zügigen Übernahme hegten.

Die EU-Kommission ist noch in der ersten Phase der Prüfung der Übername und muss bis zum 28. Oktober entscheiden, ob sie eine vertiefte Untersuchung einleiten oder den Kauf ohne Auflagen durchwinken wird. Kommt es zu einer genaueren Prüfung – was nun wahrscheinlich ist – werden die Aufseher mit ChemChina und Syngenta über Zugeständnisse verhandeln. Dann wird es um den Verkauf von bestimmten Einheiten gehen, um den Wettbewerb in der Branche zu erhalten, der derzeit wegen des Konzentrationsprozesses gefährdet ist: Neben diesem Fusionsvorhaben wollen in der Agrochemiebranche Bayer und Monsanto sowie Dow und DuPont zusammengehen.

Geschäft in Europa und Afrika läuft rund

Im dritten Quartal 2016 sackte der Umsatz von Syngenta zu konstanten Wechselkursen um 3 Prozent auf 2,52 Mrd. US-$ ab. Auch ohne Wechselkurseffekte hätte das Minus bei 3 Prozent gelegen, wobei der US-Dollar gegenüber wichtigen Verkaufswährungen weitgehend stabil geblieben sei, teilte Syngenta mit. Ein dickes Plus verzeichneten die Schweizer beim Verkauf von Fungiziden und Saatgut in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten. Dort setzten sie 8 Prozent mehr um. Auch in Nordamerika und in Asien lief es gut, die Umsätze legten um 11 Prozent beziehungsweise 22 Prozent zu.

Hemmschuh Brasilien

Mau sieht es weiterhin in Lateinamerika aus. Dort brach der Umsatz um 21 Prozent ein. In Brasilien hemmten hohe Insektizid-Lagerbestände die Absatzmengen, während der Schädlingsbefall weiter gering blieb.

Für das vierte Quartal rechnet CEO Fyrwald mit einer andauernden Erholung in Asien und einer besseren Performance in Lateinamerika. Für das Gesamtjahr erwartet Syngenta nach wie vor einen leicht geringeren Umsatz zu konstanten Wechselkursen. Ohne diese Effekte werde das Minus im mittleren einstelligen Prozentbereich liegen, so die Prognose. (sp)
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