Syriens Agrarerzeugung am Boden


Syriens Agrarerzeugung liegt nach 22 Monaten andauernden politischen Konflikten am Boden. Die Vereinten Nationen fordert humanitäre Hilfe.

Von massiven Zerstörungen der Infrastruktur berichtet eine Mission der Vereinten Nationen (UN), die sich in dieser Woche in Syrien aufgehalten hat. Unter anderem seien Bewässerungsanlagen nicht mehr funktionstüchtig. Die Erzeugung von Getreide, Obst und Gemüse könnte sich halbieren.

Als einen Grund nennen die UN-Mitarbeiter, dass zahlreiche Landwirte im zurückliegenden Sommer Getreide gar nicht dreschen konnten, weil Treibstoff für die Mähdrescher gefehlt hatte. Für die neue Anbausaison mangele es an hochwertigem Saatgut und Düngemitteln. Auch die Tierhaltung soll stark beeinträchtig sein. Hier fehlt vor allem Futtergetreide. Betroffen ist vor allem die Hähnchenmast, die einen Großteil der Fleischversorgung der Syrer liefert.

Die Dezember-Statistiken der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zeigen den Einbruch der Erzeugung eindrücklich. Danach ist die Weizenernte 2012 um etwa 36 Prozent kleiner als im Vorjahr ausgefallen. Syrien ist in guten Erntejahren mit einer Eigenerzeugung von bis zu 4 Mio. t Weizen fast Selbstversorger. Im Durchschnitt der Jahre kommen Importe von etwa 1 Mio. t Weizen hinzu.

Dagegen ist das Land auf umfangreiche Futtergetreideimporte, insbesondere von Mais, angewiesen. Sie stammen fast ausschließlich aus den USA und der Ukraine, zeigen die Berichte des Büros des US-Landwirtschaftsministeriums in Damaskus, die allerdings nur bis zum Jahr 2011 vorliegen. Für Weizen nennt das Büro als Lieferländer neben den USA und der Ukraine auch Russland. Seit 2012 lässt die politische Lage keine seriöse Analyse der Agrarmärkte mehr zu.

Sicher ist, dass sich die Ernährungssituation der rund 23 Millionen Menschen kontinuierlich verschlechtert. Das USDA-Büro in Damaskus hatte bereits 2011 darauf hingewiesen, dass knapp die Hälfte der syrischen Bevölkerung in ländlichen Regionen lebt und Einkommen überwiegend aus der Agrarerzeugung erzielt.

Die FAO fordert sofortige humanitäre Hilfe. Eine hochrangig besetzte, internationale Konferenz wird in der kommenden Woche in Kuwait stattfinden, um Möglichkeiten der Unterstützung für Syrien abzustimmen. (db)
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