az-Länderserie Frankreich

Taktgeber im europäischen Getreidehandel


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An den Agrarmärkten spielt die in Paris ansässige Warenterminbörse Euronext eine zentrale Rolle für die Preisentwicklungen. Auch agrarpolitisch ist das Land ein Schwergewicht. Oft, aber nicht immer, stehen Frankreich und Deutschland Seit’ an Seit’. Auch wirtschaftlich sind beide Länder eng miteinander verflochten. So ist Deutschland beispielsweise der wichtigste Import- und Exportpartner für Frankreich.

Gutes Essen, leckeren Wein, schöne Landschaften und eine oft beneidete Lebensart verbinden viele mit Frankreich. Das Land hat aber auch agrarisch einiges zu bieten. „La grande nation“ ist im Agrarmarkt die Nr. 1 innerhalb der EU. Frankreich gehört zu den wichtigsten Produzenten von Getreide, Raps, Mais und auch Sonnenblumen. Dass der Sitz der wichtigsten Warenterminbörse der EU, die Euronext, ihren Sitz in Paris hat, unterstreicht die Bedeutung des Landes. Dementsprechend haben sowohl die Ernteprognosen Frankreichs als auch die Exporterfolge oder –misserfolge Einfluss auf die Preisentwicklung der Getreide- und Raps-Futures an der Euronext. Auch sind die Kontraktspezifikationen der Futures immer noch passgenau auf den französischen Markt zugeschnitten. Ideal für den immer enger zusammenwachsenden europäischen Markt ist das nicht, was beispielsweise an der mangelnden Liquidität bei Mais an der Euronext sichtbar wird.

Stärkung der Tierhaltung auf der Agenda: Fleisch von Charolais-Rindern ist in Frankreich beliebt.
-- , Foto: Provieh.de
Stärkung der Tierhaltung auf der Agenda: Fleisch von Charolais-Rindern ist in Frankreich beliebt.
Frankreich und Deutschland haben bei allen landesspezifischen Unterschieden auch Gemeinsamkeiten. Ebenso wie in Deutschland hat in Frankreich in den vergangenen Jahrzehnten ein starker Strukturwandel stattgefunden. Waren es 1970 noch 1,6 Millionen Agrarbetriebe, so schrumpfte die Anzahl aktuell auf rund 516 000. Auch in Frankreich geht der Trend hin zu größeren Betrieben, wobei die meisten Landwirte zwischen 20 und 100 ha Fläche bewirtschaften. Wettbewerbsvorteile gegenüber Deutschland bestehen in einer geringeren Besteuerung von Agrardiesel, niedrigeren Bodenpreisen und nicht zuletzt in der dünneren Besiedelung, sodass es weniger zu Konflikten mit Anrainern kommt. Allerdings müssen französische Landwirte mit höheren Arbeitskosten sowie einer höheren Belastung durch Steuern und Abgaben klarkommen. Auch die Förderung der Biogaserzeugung fällt geringer aus. Zudem ist der Nachwuchs in der Landwirtschaft dünn gesät. Ferner müssen Frankreichs Landwirte auch strengere staatliche Vorgaben akzeptieren wie beispielsweise die Reduktionsziele im Pflanzenschutz.

Einen Schwerpunkt der französischen Agrarpolitik bildet die bessere Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie. Außerdem stellt Frankreich bei der Umsetzung der GAP-Reform die Arbeitsplatzsicherung in der Landwirtschaft und die Stärkung der Tierhaltung in den Mittelpunkt. Ferner nutzt Frankreich die vorhandenen Spielräume zur Umverteilung von Direktzahlungen, um kleinere Betriebe zu unterstützen und um Tierhaltungsbetriebe zulasten der Ackerbaubetriebe zu fördern. Dabei schöpft es die Obergrenze für produktionsgekoppelte Direktzahlungen voll aus. (AW)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar
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