az-Länderserie Argentinien

Tango, Pampas und die Lust auf Fleisch


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Komplizierte Auflagen seitens der Regierung und hohe Zölle erschweren jedoch die Ausfuhren von Agrargütern. Eine hohe Inflation und eine schlechte Infrastruktur belasten die Wirtschaft zusätzlich. Eine feste Größe ist zudem die Rindfleischerzeugung. Zunehmend werden auch andere Fleischarten wie Geflügel oder Schweinefleisch verstärkt nachgefragt, im Inland erzeugt und in Nachbarländer exportiert.
 
Das südamerikanische Land ist nicht nur für seine Pampas und den Tango bekannt. Hierzulande werden auch saftige Steaks von argentinischen Rindern sehr geschätzt, die auf den üppigen Weideregionen des Landes aufwachsen. Denn fast die Hälfte der Landfläche entfällt auf Weiden. Aber auch die Argentinier selbst essen ausgesprochen gerne Fleisch. Von der gesamten Rindfleischproduktion, die sich auf gut 2,8 Mio. t beläuft, wird das meiste im Inland verzehrt. Nur vergleichsweise geringe Mengen werden exportiert, wobei Deutschland einer der Hauptabnehmer ist. Schweinefleisch nimmt dagegen noch eine untergeordnete Rolle ein. Die Erzeugung hat sich jedoch in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Auch Geflügelfleisch wird zunehmend beliebter. Der Pro-Kopf- Verbrauch an Fleisch beläuft sich auf gut 101 kg, in Deutschland sind es knapp 88 kg.
 
Eine wichtige Rolle in Argentinien spielt auch der Ackerbau, vor allem der Anbau von Sojabohnen und Mais. Argentinien ist der weltweit wichtigste Exporteur von Sojaprodukten wie Mehl und Öl und drittgrößter Produzent von Sojabohnen. Die Sojaproduktion hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verfünffacht. Rund 98 Prozent der Sojabohnen sind gentechnisch verändert. Auch die zweitgrößte Anbaukultur Mais ist zumeist gentechnisch verändert und wird in der Rinder- sowie Geflügelproduktion verfüttert. Mehr als die Hälfte der Maisernte geht jedoch in den Export. Hohe Exportzölle und Exportquoten, die seitens der Regierung verhängt werden, behindern aber auch den globalen Handel mit anderen Ländern. Je nach Produkt werden Exportzölle von bis zu 35 Prozent erhoben. Hohe bürokratische Hürden und hohe Transportkosten aufgrund eines maroden Schienenverkehrs erschweren den Handel zusätzlich. Die Restriktionen der Politik werden von Marktteilnehmern oft als „unberechenbar“ bezeichnet und die Wirtschaftspolitik als kurzfristig orientiert kritisiert. Darüber hinaus hat das Land nach Militärdiktatur und schwerer Wirtschaftskrise um die Jahrtausendwende nach wie vor mit Korruption und wachsender Kriminalität sowie einer hohen Inflationsrate zu kämpfen.
 
Die Agrarwirtschaft ist ein stabiles Standbein. Sie trägt rund 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Landwirte sind zudem gut ausgebildet und Innovationen sowohl bei Produkten als auch Wirtschaftsweisen gegenüber sehr aufgeschlossen. Aufgrund der großen Landesfläche gibt es Betriebe mit einer hohen Flächenausstattung. Mehr als 5000 ha und Sojaanbau so weit das Auge reicht sind keine Seltenheit. Zwar verfügen nur rund 2 Prozent aller Betriebe in Argentinien über so viel Fläche, allerdings bewirtschaften diese Unternehmen nahezu die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Mehrheit der Agrarbetriebe mit gut 60 Prozent bewirtschaftet weniger als 100 ha. (AW)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar
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