Report Smart Farming

Technik muss entlasten


Markus Jeiler: Schweinehalter in Dülmen, Nordrhein-Westfalen
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Markus Jeiler: Schweinehalter in Dülmen, Nordrhein-Westfalen

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für Investitionen in Technik?

Jeiler: Ein wichtiger Punkt ist, dass die Technik zum Betrieb passen muss. Zu viele Firmen können mir da sprichwörtlich den Brei verderben. Die Funktionen und Abstimmungen zwischen den Firmen – da passt häufig das eine nicht zum anderen und macht es in der täglichen Anwendung und erst recht bei einem Problemfall kompliziert.
Damit ergibt sich gleich ein weiterer Punkt: Service und Beratung spielen für mich eine entscheidende Rolle. Ich bin auf Fütterung und Klimasteuerung angewiesen und erwarte daher, dass mögliche Störungen so schnell wie möglich behoben werden.

Dierauff: Die Technik muss mich in jedem Fall entlasten, das heißt, möglichst komplikationslos und vollständig automatisch laufen. Auch im ‚Worst-case‘-Fall möchte ich mit der Technik handlungsfähig bleiben, zum Beispiel über manuelle Schaltmöglichkeiten. Und genau auch aus diesem Grund muss das System so einfach sein, dass mehrere Personen – auch Aushilfen – damit klarkommen können.

Verhaag: Für mich stehen die Funktionssicherheit und eine intuitive Bedienung ganz oben an. Wenn die Lüftung ausfällt, darf das Alarmsystem nicht gleichzeitig ausfallen.Es gibt Tausende Spielereien und Gadgets für die Landwirte. Solange sie nicht wirklich hilfreich sind und einfach im Alltag mitlaufen können, bringen sie mir gar nichts.Bei der Lüftung oder dem Fütterungssystem kann ich mich in komplexe Bedienungszusammenhänge vielleicht noch einarbeiten, weil ich damit jeden Tag umgehe. Darum: Je kleiner die Anwendung, desto einfacher muss die Bedienung sein.

Jürgen Dierauff: Schweinemäster in Markt Nordheim, Franken
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Jürgen Dierauff: Schweinemäster in Markt Nordheim, Franken

Können Sie sich über die bereits installierten Systeme hinaus noch weitere Anwendungen vorstellen?

Jeiler: Ich informiere mich gerade intensiver über die Möglichkeiten funktionaler Kommunikation. Das heißt, ob es möglich ist, dass die Daten aus dem Sauenplaner derart verknüpft werden können, dass ich per Smartphone oder Tablet die einzelnen Tröge der Sauen ansteuern kann. Auch überlege ich, zukünftig mehr mit Barcodes zu arbeiten. Dies bedeutet für mich, die Sauen- und Eberdaten darüber zu dokumentieren und dann mit den Daten aus der Schlachtdatenauswertung zusammenzuführen und auf diese Weise Rückschlüsse für die Anpaarungen zu ziehen.

Dierauff: Ich möchte aktuell bei meiner Lüftungstechnik noch etwas nachrüsten. Zukünftig möchte ich über die Lüftung dann auch über mein Smartphone mit direktem Zugriff auf den Zentralcomputer steuern und Daten auslesen können.Bisher ist in meinem Betrieb alles recht einfach gehalten. Wenn ich über mehr technische Spielereien nachdenke, steht für mich der Aufwand in vielen Fällen nicht im Verhältnis zum Nutzen.

Verhaag: Mit der Steuerung der Lüftung und Fütterung über das Tablet und Smartphone sind für mich zunächst die wichtigsten Parameter erschlagen. Wenn ich meine Fantasie spielen lasse, fände ich es toll, wenn ich mich der doppelten und dreifachen Eingabe für die verschiedensten Dokumentationsvorhaben und dem damit verbundenen Papierwust über eine Schnittstelle entledigen könnte. Bisher hat sich das bei uns im Betrieb noch nicht durchgesetzt. Noch erscheint es zu aufwendig und teuer.

Sauenhalter in Goch, Niederrhein, Nordrhein-Westfalen
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Sauenhalter in Goch, Niederrhein, Nordrhein-Westfalen

Was stellen Sie sich unter den Begriffen „Vernetzte Systeme“ oder „Smart Farming“ vor?

Jeiler: Ich kann mir vorstellen, dass künftig die eingepflegten Daten beispielsweise der abgelieferten Tiere mit der verbrauchten Futtermenge, zusammengeführt in der Ackerschlagkartei, mir automatisch ausgegeben werden. Daraus könnte hervorgehen, wie viele Nährstoffe vorhanden sind und für meine Flächen verbraucht werden können. Ebenso ergäbe sich daraus, wie viel der Nährstoffe abgegeben werden müssen.Ob sich dies alles lohnen würde, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Datengrundlage muss ständig aktualisiert werden und verlässlich sein. Für mich stellt sich die Frage, ab welcher Betriebsgröße es sich dann lohnen würde, für diesen Aufwand jemanden einzustellen. Damit wären wir schon wieder bei der Betriebsgrößendebatte.

Dierauff: Noch mehr über das Smartphone oder das Tablet zu steuern. Ackerbaudaten einspeisen, die Schrotanlage ‚online‘ bedienen. Doch ich sehe auch die Risiken, wenn das ganze ‚Betriebsleben‘ sich auf dem Smartphone abspielt. Fällt das Handy in die Gülle, muss ich mich auf die Datensicherung verlassen. Ich bin kein Technikverweigerer, ich bin für ein gesundes Gleichgewicht.

Verhaag: Damit gemeint ist die Verknüpfung umfangreicher Daten: Jede Information, zu jeder Zeit und überall ohne Papierwust verfügbar zu machen. In der Tierhaltung kann die Technik aber immer nur zur Unterstützung dienen! Die Arbeit mit den Schweinen ist für mich immer fest mit dem Menschen verbunden und nur bedingt automatisierbar. Ich denke da beispielsweise an den selbstfahrenden Schlepper auf dem Acker, aber einen Roboter, der die Stallarbeiten erledigt – den kann ich mir doch schwer vorstellen. (jst)
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