Tierschutz: Verbindliche Standards bevorzugt


Der Deutsche Tierschutzbund würde sein neues Label gesetzlichen Standards opfern. Bundesagrarministerin Aigner warnt jedoch vor Wettbewerbsnachteilen.

Die gleichen Erfahrungen wie bei dem Verbot der Käfighaltung von Legehennen will die Ministerin nicht noch einmal machen. Sie strebe zwar flächendeckend höhere Tierschutzstandards an, aber "nur europaweit", stellte Aigner auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Labels "Für mehr Tierschutz" des Deutschen Tierschutzbundes (DTB) vor, welches das BMELV finanziell fördert.

Bei nationalen Alleingängen entstehe die Gefahr des Wettbewerbsnachteils für die deutsche Fleisch- und Landwirtschaft innerhalb Europas, sagte Aigner mit Blick auf das Käfigverbot bei Legehennen. Deutschland habe diese EU-Richtlinie vorzeitig umgesetzt und jetzt dadurch einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Mitgliedstaaten, die dies noch nicht getan hätten. Entsprechende Effekte wolle man beim Thema Tierschutz vermeiden; der Verbraucher solle mit dem neuen Siegel viel mehr eine weitere Auswahlmöglichkeit bekommen.

DTB-Präsident Thomas Schröder nutzte die Gelegenheit, um vor Medienvertretern in Berlin seine Forderung nach flächendeckend höheren Tierschutzstandards zu erneuern: "Führen Sie ein gesetzliches Label ein, sind wir gerne bereit, unser Siegel an Sie abzugeben", sagte er an Aigner adressiert. Wirtschaftsvertreter hingegen wollen es bei freiwilligen Angeboten belassen, da auch sie bei flächendeckenden Tierschutzvorgaben Wettbewerbsnachteile vor allem im Export befürchten.

Aigner räumte auf Anfrage der agrarzeitung ein, dass nicht in Umfragen geäußerte Wünsche der Verbraucher nach Tierwohl, sondern letztlich die Zahlungsbereitschaft an der Supermarktkasse den "Praxistest" für das Label darstellen würden.

Nach Angaben Schröders wollen auch Discounter Produkte mit dem neuen Label führen: "Lidl wird dazu kommen", sagte er auf der Pressekonferenz. (pio)
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