Initiative Tierwohl

Tierschutzbund befürchtet Betrug

Die Anforderungen an Schweinehalter seien aus Tierschutzsicht nahezu unterirdisch, sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes über die Entwicklung der Initiative Tierwohl.
-- , Foto: pixelio/Karin Wobig
Die Anforderungen an Schweinehalter seien aus Tierschutzsicht nahezu unterirdisch, sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes über die Entwicklung der Initiative Tierwohl.

Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder: „Wir sind mit der Entwicklung der Initiative unzufrieden.“ Hintergrund des Ärgers sei die Frage, wie es in der kommenden Vertragsperiode ab 2018 mit der Initiative weiter gehen soll. Anforderungen an die Tierhalter werden derzeit erarbeitet, seien nach Ansicht von Schröder aber „viel zu schwach“.

Würde es so umgesetzt, „dann kann man nicht von mehr Tierwohl reden. Dann stehen wir vermutlich vor dem größten Verbraucher- und Tierschutzbetrug, den es in Deutschland je gegeben hat.“ Nach jetzigem Planungsstand orientiere sich die Initiative viel zu sehr an gesetzlichen Mindeststandards und gehe kaum darüber hinaus. „Das ist aus Tierschutzsicht nahezu unterirdisch“, so Schröder gegenüber der NOZ.

Er wirft den Beteiligten unter anderem vor, allein die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Blick zu haben, nicht aber die eigentliche Frage des Tierwohls. „Die Beteiligten wollen möglichst viele Schweine im System haben, da zählt nur Quantität, nicht Qualität.“ Der Tierschutzbund gehört dem Beraterausschuss der Initiative an.

Branche will Initiative umbauen

Ende Juni 2016 meldete die Initiative, dass sich Branchenvertreter auf einen Entwurf für die Fortführung für den Zeitraum 2018 bis 2020 geeinigt hätten. Darin ist vorgesehen, dass die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) ab Januar 2018 mehr in den Tierwohlfonds für Schweinehalter einzahlen. Anstelle von bislang 4 Cent/kg verkauftem Schweinefleisch würden die Händler dann 6,25 Cent/kg in den Topf abführen. Die so erweiterte Finanzausstattung soll sich auf 35 Mio. € belaufen.

Diesem Vorhaben müssen die Geschäftsführer des LEH allerdings noch zustimmen, da die Verhandlungen mit den jeweiligen Chefunterhändlern geführt werden. Außerdem sind weitere Änderungen vorgesehen: Künftig müssen Schweinehalter zwei Grundanforderungen erfüllen, für die sie entlohnt werden. Demnach sei es künftig verpflichtend, den Tieren „zehn Prozent mehr Platz“ und „organisches Beschäftigungsmaterial“ zu bieten. Bisher musste man nur ein Pflichtkriterium erfüllen und konnte darüber hinaus beliebig viele frei wählbare Tierwohl-Kriterien umsetzen. Nun soll die Auswahl der frei wählbaren Tierwohl-Kriterien gestrafft werden, um mehr Geld zur Verfügung zu haben. Wie viele und welche Auswahlmöglichkeiten entfallen, ist allerdings noch offen.

Schröder: Tierwohl bleibt derzeit auf der Strecke

Schröder bemängelte gegenüber der NOZ, dass es der Brancheninitiative an Perspektive fehle. „Der Landwirt muss jetzt wissen, mit welchem Geld er nach 2020 rechnen kann.“ Derzeit gebe es für Bauern keine Planungssicherheit, weswegen sie vor dem tierschutzgerechten Umbau von Ställen zurückschreckten. „Der Handel muss da jetzt Farbe bekennen, wenn die Initiative mehr sein soll als ein Marketinginstrument.“ Finanzmittel müssten jetzt und auch perspektivisch über 2020 hinaus massiv erhöht werden. „Die Versprechen der Branche, mehr Tierwohl abzusichern, sind sonst nichts wert“, sagte Schröder. (has)
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