In der ARD-Sendung „Report Mainz“ am Dienstag Abend ging es unter anderem um das Schlachten tragender Kühe in deutschen Schlachthöfen. Als Reaktion darauf verkündete bereits der Deutsche Bauernverband, das Landvolk Niedersachsen und andere Bauernvereinigungen, dass trächtige Kühe nicht auf den Schlachthof gehörten. „Aus Sicht der Nutztierhalter kann es keinen sinnvollen Grund für eine solche Schlachtung geben, weder aus ethischer noch aus wirtschaftlicher Sicht“, gab der DBV in einer Stellungnahme bekannt. Ausnahmen könnten allenfalls durch eine medizinische Indikation oder durch notwendige, behördlich angeordnete Seuchenbekämpfung begründet werden.
 

Bis zu 180.000 trächtige Kühe werden pro Jahr geschlachtet

Laut dem deutschen Tierschutzbund werden jedes Jahr allein in Deutschland eine Million Milchkühe geschlachtet, wobei rund zehn Prozent der Tiere trächtig waren. Sind die Kälber bereits lebensfähig, ersticken sie nach der Betäubung des Muttertieres im Mutterleib und werden gemeinsam mit ihr oft unbemerkt als Müll entsorgt. Laut Report Mainz werden nach Schätzungen der Bundestierärztekammer sogar bis zu 180.000 trächtige Kühe pro Jahr geschlachtet.

Der Bauernverband und seine Landesverbände wiederum betonen, dass sie in den vergangenen Monaten bereits Mitglieder und Tierhalter in den vergangenen Monaten sensibilisiert hätten, um alle betrieblichen Möglichkeiten zu nutzen, damit eine Schlachtung der hochtragender Kühe verhindert werden könne.

Zugleich wiegelt der Verband die von den Fernsehreportern und vom Tierschutzbund genannten Zahlen ab: Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema gebe es nicht, so dass man derzeit eher Vermutungen über das Ausmaß anstellen könne.

Tierschutzbund startet Kampagne "Schlachtabfall?"

Die Tierschützer starten nun im Bugwasser der Fernsehreportage die Kampagne „Schlachtabfall?“. Sie fordern verpflichtende Trächtigkeitsuntersuchungen unmittelbar vor dem Transport zum Schlachthof und ein Schlachtungsverbot trächtiger Tiere. Auch der Agrarminister von Niedersachsen, Christian Meyer (Bündnis90/Die Grünen) forderte den „sofortigen Stopp“ des „grausamen Schlachtens“ der trächtigen Kühe. Auch er will ein grundsätzliches Abgabeverbot trächtiger Rinder und eine Ausweitung des bestehenden Transportverbots für trächtige Tiere „über das letzte Zehntel der Trächtigkeit hinaus.“ Er warf der Bundesregierung bei dem Thema große Versäumnisse vor.

Regierung will Verbot anstreben

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kündigte in der Sendung an, dass er die Schlachtung trächtiger Kühe so schnell wie möglich verbieten wolle. Der Minister kündigte zudem Verordnungen und neue Vollzugsregelungen auf europäischer und erstmals auch auf nationaler Ebene an. Meyer verurteilt diese Ankündigungen als „Verdrehen der Tatsachen“. Schmidt habe die grausame Praxis bereits schon längst verbieten können.

Im September 2014 hatte die Agrarministerkonferenz in Potsdam beschlossen, das Schlachten sogenannter gravider Rinder zu verbieten. Insgesamt elf Bundesländer hatten sich dafür ausgesprochen. „Aber Herr Schmidt hat sich ein Jahr lang nicht gerührt,“ sagte Meyer. (mas)
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