Zum Start der Einlagerung ist das Risiko fallender Stickstoff-Kurse nach unten begrenzt.
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Zum Start der Einlagerung ist das Risiko fallender Stickstoff-Kurse nach unten begrenzt.

In Europa liegen derzeit die Einlagerungspreise für Stickstoff-(N-)Dünger leicht über Vorjahr, was den etwas höheren regionalen Erdgaskosten geschuldet ist. Ein Vergleich mit dem Verlauf des vergangenen Wirtschaftsjahres 2016/17 drängt sich auf: Die Saison begann mit attraktiven Einlagerungspreisen für Nitrate und NPK-Dünger, gefolgt von stark steigenden Preisen zur Frühjahrssaison hin. Im März 2017 kostete 1t Kalkammonsalpeter (KAS) im Großhandel fast 50 Prozent mehr als zu Beginn der Einlagerung im Juli 2016. Haupttreiber waren der zunächst günstige internationale Harnstoffpreis, der einen Nachfrageboom auslöste. Zudem verteuerten sich die europäischen Gas- und Ammoniakkosten für die Produzenten. Die Chancen stehen gut, dass sich die Situation wiederholt. Nach unten hingegen scheint das Preisrisiko begrenzt, denn niedrigere Harnstoffpreise führen dazu, dass die Chinesen ihre Produktion drosseln, was die globalen Kurse wieder stabilisiert.

Energie aus Kohle ist zu teuer

„Sinken die Harnstoffpreise unter die Kosten der teuersten Produzenten, wird ein Weiterbestehen der Anlagen schwierig. Zurzeit werden Angebot und Nachfrage global gesehen hauptsächlich durch diesen Mechanismus ins Lot gebracht, und wenig durch sinkende Weltmarktpreise“, beschreibt Wolfgang Höfler, Area Sales Manager bei Borealis L.A.T, die Situation. Die Hauptlast trägt China, da dort auf Basis von vergleichsweise teurer Kohle produziert wird. Viele kleinere Düngeranlagen waren über Jahre durch Subventionen künstlich am Leben erhalten worden. Durch den Anstieg der Kohlepreise im Jahresvergleich um 77 Prozent hat sich im 4. Quartal 2016 die Insolvenzrate in China noch einmal deutlich beschleunigt. Das Marktanalyseunternehmen CRU hat erhoben, dass in China seit 2013 Harnstoffkapazitäten im Umfang von fast 13 Mio. Jahrestonnen geschlossen wurden. Das entspricht rund 6Prozent aller heute bestehenden Kapazitäten weltweit. Und der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen: Man rechnet mit weiteren 14 Mio.t/Jahr, die bis 2021 den Kräften des Marktes zum Opfer fallen werden.

Angebotsdruck lässt nach

Die Exporte Chinas sind entsprechend eingebrochen – von fast 14 Mio.t im Jahr 2015 auf unter 9 Mio.t im Jahr 2016. In diesem Jahr sollen es nur noch 4,5 Mio.t sein, angetrieben von höheren Kohlepreisen sowie strengeren Umweltauflagen. „Zusammen mit dem weiterhin wachsenden globalen Stickstoffbedarf bedeutet dies, dass 2017 die Talsohle des Industriezyklus erreicht sein wird und in den kommenden Jahren der Angebotsdruck abgebaut werden könnte“, meint Wolfgang Höfler, der eine Trendwende der Harnstoffpreise, die seit 2011 tendenziell gefallen sind, für wahrscheinlich hält.

Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich auch auf den Phosphatmärkten. Auch hier drängen neue Kapazitäten in Ländern mit niedrigen Rohstoffkosten die chinesische Konkurrenz aus dem Markt. Der marokkanische Produzent OCP möchte seine Position als größter Exporteur weiter ausbauen. 2015 und 2016 wurden Anlagen mit jeweils 1 Mio.t Jahreskapazität angefahren. Ein weiteres Mega-Projekt, das noch in diesem Jahr anlaufen soll, befindet sich im Norden Saudi-Arabiens.

Auch im Phosphatsektor müssen aufgrund des Angebotsdrucks die teuersten Produzenten das Handtuch werfen oder die Produktion drosseln. Die chinesischen Exporte der Leitprodukte Diammonphosphat (DAP) und Monoammoniumphosphat (MAP) sind von rund 11 Mio. t im Jahr 2015 auf 9Mio. t im Vorjahr gefallen. Dieser Rückgang hat im vergangenen Jahr die neuen Kapazitäten annähernd ausgeglichen. Gleichzeitig haben die günstigen Phosphatpreise die Nachfrage angekurbelt.

Die globale Nachfrage nach Phosphat ist nach Schätzungen der internationalen Düngemittelvereinigung IFA im Jahr um robuste 3,4 Prozent gestiegen.


Düngerschwemme in den USA
Seit einigen Jahren gehen mehr Anlagen ans Netz, als die Nachfrage wächst. Ausgelöst durch den Schiefergas-Boom in den USA wurden Dünger-Kapazitäten erweitert und erstmals seit den 1990er-Jahren wieder neue Anlagen auf die grüne Wiese gebaut. Zwei große Anlagen errichtete der US-amerikanische Hersteller CF Industries mit jeweils 1,4Mio. Jahrestonnen Harnstoff am Golf von Mexiko und in Iowa. Eine weitere Anlage baute OCI in Iowa mit 0,8Mio. Jahrestonnen. Damit dürfte sich der US-Importbedarf von 2015 bis 2018 auf 4Mio.t halbieren. (az)

Wettbewerb bei Kali

Der dritte Hauptpflanzennährstoff Kali ist anderen Kräften unterworfen. Die Produktion reagiert schneller auf Nachfrageschwankungen. In der ersten Hälfte 2016 ist die globale Produktionsauslastung laut IFA auf den niedrigsten Stand seit 2012 gefallen, Hand in Hand mit einer deutlich zurückgegangenen Nachfrage. Aber schon in der zweiten Hälfte des Jahres gab es umgekehrt die höchste Auslastung derselben Zeitperiode als Reaktion auf eine deutlich gestiegene Kauflaune. Dennoch gibt es weiterhin genügend ungenützte Kapazitäten, und neue große Minen gehen derzeit in Betrieb.

Tendenziell wird ebenfalls beim Kali der Wettbewerb härter. Und auch hier gilt: Die Preise sind so attraktiv wie zuletzt im Krisenjahr 2009 – und dies bei gegenüber damals deutlich höheren Getreidepreisen.


Harald Lindner,
Borealis L.A.T, Linz
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