Außenhandel

US-Farmer erste Opfer des Protektionismus

Im Abbau des Handelsdefizits sieht US-Präsident Donald Trump eine seiner wichtigsten Aufgaben. Auch wenn zuletzt in Sachen Freihandel etwas positivere Signale aus dem Weißen Haus kamen, steht die Drohung mit Strafzöllen weiter im Raum. Davon wäre auch der Agrarmarkt stark betroffen. Eine solche Maßnahme würde allerdings auch auf die USA selbst zurückfallen, meint Finanzanalyst Stefan Vogel von der Rabobank. Sollte Washington die Ankündigung wahr machen und tatsächlich Importzölle von 45 Prozent verhängen, könnte ein Handelskonflikt die Folge sein, der beiden Seiten erheblich schadet.

Wichtigster Markt für Soja

„Etwa 60 Prozent der US-amerikanischen Sojabohnen-Exporte gehen nach China“, rechnet Vogel vor. „Da stellt sich die Frage, an wen die USA im Falle eines Handelskonflikts die Produktion ausliefern wollen.“ China dürfte Gegenmaßnahmen ergreifen, falls US-Einfuhren aus Fernost mit Abgaben belastet würden. Die Importe beispielsweise von Sojabohnen aus den USA würden sofort gestoppt, schrieb etwa die „Global Times“, eine Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas.

China auf Sojaimporte angewiesen

Dies sei allerdings höchst unwahrscheinlich, so Vogel, denn China importiere 60 Prozent aller weltweit gehandelten Sojabohnen und 40 Prozent davon kämen aus den USA. „Es sind faktisch nicht genug Sojabohnen in Südamerika verfügbar, um die komplette chinesische Nachfrage nur von der Südhalbkugel her zu decken, ohne die dortige Nachfrage sowie den Handel von Sojaschrot nach Europa drastisch zu reduzieren“, konstatiert der Rabobank-Experte.

Rendite der US-Landwirte geschmälert

Schon jetzt, auch ohne Handelskriege, erfahre die USA einen starken Exportwettbewerb aus den globalen Rekordernten der letzten Jahre. Darüber hinaus schwäche der im Vergleich zu anderen Währungen feste Dollarkurs die Agrarwirtschaft der Vereinigten Staaten, so Vogel. „Der starke Dollar beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte spürbar.“ Das schmälere die Rendite der Landwirte, die im vergangenen Jahr bereits dazu gezwungen waren, den Anbau etwa von Weizen auf den niedrigsten Stand seit 100 Jahren zu reduzieren.

Weitere Flächenreduzierung möglich

„Falls die Preise weiter sinken, wird es in den USA zu einer weiteren deutlichen Flächenreduzierung kommen, auch bei Mais und Soja“, prognostiziert der Analyst. Vieles hänge jetzt davon ab, wie sich das Wetter in den USA entwickle und welche Produktionsmengen dort eingefahren würden. Nach sehr guten Ernten in Südamerika und einer erwarteten Rekordaussaatfläche für Sojabohnen in den USA, seien unter normalen bis guten Wetterbedingungen ein weiterer Bestandsaufbau in den USA sowie sinkende Preise zu erwarten. (SB)
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