Report Agrarmärkte 2015/16

USA erzeugen mehr Milch


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Milcherzeuger in Deutschland stöhnen über niedrige Preise. Die meisten Molkereien zahlen 28 bis 30Cent/kg und damit rund 10Cent/kg weniger als vor einem Jahr. Von vielen Befürwortern einer Mengenregulierung war dieser Preisverfall vor dem Ende der EU-Milchquote am 1. April vorausgesagt worden. Sie sehen sich nun bestätigt, verkennen dabei aber die wahren Ursachen.

Denn obwohl Landwirte seit April so viel produzieren dürfen wie sie wollen, ist die Milchmenge in Deutschland nicht gestiegen. Seit Jahresbeginn liegt die Produktion unter dem Vorjahresniveau. Mitte Mai wurde erstmals mehr Milch angeliefert als vor zwölf Monaten: Die Menge stieg um 0,4 Prozent. Hauptgrund dafür ist, dass die Produktionsspitze in diesem Jahr zwei bis drei Wochen später erreicht wird als 2014, was auch auf das kühle Frühjahr zurückgeführt wird. Während im Vorjahr die Milchmenge ab Anfang Mai zurückging, stieg sie jetzt noch einmal leicht an. Doch nun scheint der Scheitelpunkt erreicht zu sein. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Anlieferungen zum Ende des Monats im Vergleich zur Vorwoche sinken.

Dass der Markt trotz der geringeren Milchmenge unter Druck steht, hat mehrere Gründe. Den Molkereien macht nach wie vor das Russland-Embargo zu schaffen. Zwar wurde versucht, den Absatz in anderen Drittstaaten anzukurbeln, doch konnte dies nur bedingt die fehlenden Umsätze aus dem Russlandgeschäft kompensieren. Auch die Nachfrage innerhalb der EU bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die sinkende Kaufkraft in einigen südeuropäischen Ländern wirkt sich negativ auf den Absatz aus. Zudem schwächelt der chinesische Markt. Weil das Wirtschaftswachstum in China kleiner ausgefallen ist, werden weniger Molkereiprodukte verkauft als erwartet. Die Lagerbestände für Vollmilchpulver umfassen 300000t und sind damit doppelt so hoch wie erwartet, berichtet das US-Agrarministerium USDA. Dies dürfte die Nachfrage für dieses Jahr deutlich sinken lassen. Während das USDA für 2015 in China von einer stagnierenden Milcherzeugung ausgeht, erwartet die Welternährungsorganisation FAO ein weiteres Plus. Global rechnet die UN-Organisation mit einem Anstieg der Milcherzeugung von 2 Prozent auf 805 Mio.t. Stark zulegen werde demnach vor allem die Erzeugung in den USA (plus 2,9 Prozent), während für die EU ein leichter Zuwachs von 1,2 Prozent und für Australien und Neuseeland eine konstante Menge vorausgesagt werden.

Zunehmen wird nach Ansicht der FAO der Welthandel mit Milchprodukten (siehe Grafik). Die stärksten Zugewinne traut die Organisation dabei der Europäischen Union zu. Die Absatzmengen der deutschen Molkereien im 1. Quartal scheinen dies zu bestätigen. Die Käseexporte nach Afrika (plus 78 Prozent) und Asien (plus 65 Prozent) sowie in die USA (plus 89 Prozent) konnten gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert werden. Ob sich größere Exportmengen in höheren Erzeugerpreisen niederschlagen, bleibt abzuwarten. (SB)
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