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Kleine Anlagen für Biotreibstoff – Geringe Beimischung

Agrarzeitung Ernährungsdienst 21. Juli 2007; Von Jan Peters, Hamburg

Erzeugung und Verwendung von Biokraftstoffen in der Ukraine stecken noch in den Anfängen. Politische Unterstützung ist erkennbar, doch der Wirtschaft fehlt die Einigkeit.

Auf politischer Ebene gibt es in der Ukraine erste Ansätze, die Verwendung von Biokraftstoffen anzukurbeln, berichtet Dr. Heinz-Wilhelm Strubenhoff. Er ist als Berater des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Kiew tätig ist.

Das ukrainische Parlament hat in erster Lesung den Gesetzentwurf „über die Entwicklung von Produktion und Verbrauch von biogenen Kraftstoffen“ verabschiedet. Der Gesetzentwurf sieht einen jährlich ansteigenden Beimischungszwang für Bioethanol vor, beginnend mit 2 Prozent im Jahr 2008, 3 Prozent 2009, 5 Prozent 2010 und 10 Prozent im Jahr 2011. Weiterhin sind erhebliche Investitionsanreize und Steuervorteile vorgesehen. Der Gesetzentwurf wurde vor allem von der Bioethanol-Lobby vorangetrieben, beobachtet Strubenhoff. Für Biodiesel gibt es dagegen lediglich „Beimischungsempfehlungen“.

In der Ukraine bestehen nach Angaben von Strubenhoff mehr als 50 Alkoholfabriken, die auf der Basis von Zuckerrüben oder Getreide produzieren, jedoch nur zum Teil ausgelastet sind. Es existieren ebenfalls Überlegungen, in neue Ethanolfabriken zu investieren. Den Investoren ist dabei jedoch klar, dass sie ohne staatliche Subventionen oder Vorgaben wie einem Beimischungszwang derzeit noch nicht rentabel arbeiten können. „Deshalb die intensive Lobbyarbeit“, sagt Strubenhoff. Er berichtet ebenfalls, dass fast jeder Gouverneur in der Ukraine sich schon mit potenziellen Investoren aus Deutschland, Tschechien, Österreich oder den USA gezeigt hat. Es gibt auch einige kleinere Pilotanlagen. Größere Anlagen für die Herstellung von Biodiesel oder Bioethanol sind aber nach Einschätzung von Strubenhoff weder finanzierungsreif noch im Bau.

Strubenhoff weist darauf hin, dass die Mineralölwirtschaft, die Fahrzeugindustrie und das Energieministerium in Kiew noch überzeugt werden müssten. Schließlich seinen Teile der Agrarlobby der Meinung, dass es besser sei, Raps und Getreide für die Weltmärkte zu produzieren, da diese vom Biotreibstoff-Boom beflügelt werden.
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