Spezielle Nutzpilze, die als Endophyten in den Kartoffeln oder Tomaten mitwachsen, könnten künftig bei der Abwehr von Blattläusen oder Drahtwürmern helfen. Wenn die Schädlinge an den Pflanzen fressen, nehmen sie dabei den in der Pflanze vorhandenen Pilz auf und sterben daran innerhalb weniger Tage ab, beschreibt Prof. Stefan Vidal von der Georg-August-Universität Göttingen den Schutzmechanismus.

Diese Methode des biologischen Pflanzenschutz ist aber noch längst nicht ausgereift. Darum forschen die Fachhochschule (FH) Bielefeld, die Georg-August-Universität Göttingen und die e-nema, Gesellschaft für Biotechnologie und biologischen Pflanzenschutz, gemeinsam an einer Umsetzung für die Praxis. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt mit 570.000 €.

„Die Erkenntnis, dass diese insektenabtötenden Nutzpilze in den Pflanzen mitwachsen, ist relativ neu“, betont Vidal. Während dieser Prozess für die Pflanzen unschädlich sei, nähmen die Insekten beim Fressen oder Saugen an der Pflanze den Pilz in sich auf.

„Unser Ziel sind biologische Pflanzenschutzmittel, die besonders für den ökologischen Landbau geeignet sind, der keine chemischen Insektizide verwenden darf. Wir wollen aber auch den konventionellen Landbau erreichen“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Anant Patel von der FH Bielefeld.


Die Wissenschaftler entwickeln unterschiedliche Formulierungen zum Aufbringen der Pilze wie Sprays, Kapseln oder mit den Pilzen ummanteltes, gecoatetes Saatgut. Ziel des Projektes ist, für mittelständische Unternehmen neue Möglichkeiten zur Produktion biologischer Pflanzenschutzmittel zu entwickeln.


Das innovative biologische Verfahren soll die Pflanzen dauerhaft schützen. Es eigne sich sowohl für den ökologischen Gemüseanbau als auch für die konventionelle Landwirtschaft als Alternative, um den Einsatz chemisch-synthetischer Insektizide zu verringern, betont Patel. Das Verfahren berge keine bekannten ökologischen Risiken, was ein großer Vorteil sei. „Die verwendeten Pilzstämme kommen auch in der Natur vor, zum Beispiel in Ackerböden, und sind keine Gefahr für Bienen oder andere Nutzinsekten“, sagt Patel.

„Um Natur und Verbraucher zu schützen, brauchen wir neue umweltschonende Strategien gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge“, sagt Dr. Heinrich Bottermann, DBU-Generalsekretär. (brs)
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