DLG-Unternehmertage

Veränderte Vorzeichen für Ackerbauern

50 Prozent weniger Ertrag zum Beispiel im Vorpommern oder 20 bis 30 Prozent in Mecklenburg und Schleswig-Holstein gegenüber dem Vorjahr bei Getreide und Raps kennzeichnen die Zeit nach der diesjährigen Ernte. Aussichten auf bessere Preise bestehe im Moment kaum. „Derartige Szenen hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben“, erklärte Sönke Huesmann, Berater in Hohwacht, Schleswig-Holstein jetzt auf den DLG Unternehmertagen in Oldenburg. Die Pachtpreise hätten dabei aber 30 bis 50 Prozent niedriger gelegen. So gelte es erneut, die Kosten verstärkt in den Blick zu nehmen. Neu seien das ackerbauliche Umfeld und damit die weitere Perspektive für die nächsten Jahre.

Öffentliche Wahrnehmung

Die ausgesprochen negative Wahrnehmung der Landwirtschaft insgesamt und des Ackerbaus im Speziellen in der Öffentlichkeit bleibe nicht ohne Auswirkungen. Zudem betrachtet der Fachmann die mit großer Dynamik auftretenden zunehmenden Resistenzen bei Unkräutern, Ungräsern, Insekten und Pilzkrankheiten sowie die rückläufige Entwicklung neuer Wirkstoffe aus Sicht der Industrie mit Sorge. Kohlhernie und Ackerfuchsschwanz gerieten immer weiter in den Fokus. Darüber hinaus werde seiner Meinung nach als Wahlkampfthema 2017 noch eine Diskussion um eine mögliche Pflanzenschutzabgabe stattfinden. Diese Rahmenbedingungen können längerfristig für rückläufige Einkommen auf den meisten Ackerbaubetrieben sorgen.

Eine Antwort auf diese Herausforderungen könnte laut Huesmann in der Züchtung von Sorten mit höherem Gesundheitsstatus und besserer Stressresistenz liegen. Die Streifensaat und die Möglichkeit zu hacken in Verbindung mit Bandspritzung bei Reihenkulturen wäre eine weitere Möglichkeit, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Auch in der Düngung sieht er noch Möglichkeiten, die Mittel präziser beispielsweise in Form der Unterfußdüngung auszubringen. Auch in der Einzelkornsaat bei Getreide und Raps bestehe Potential der Effektivität. Jede Pflanze stünde dann der gleiche homogene Wurzelraum zur Verfügung.

Fruchtfolge erweitern

Ackerbauliche Grundprinzipien werden wieder in den Vordergrund rücken müssen, auch um Kosten reduzieren zu können. Sie seien in den vergangenen Jahren aufgrund des technischen Fortschritts im Pflanzenschutz vernachlässigt worden. Dazu zähle neben einer ausgewogenen Grundversorgung mit Nährstoffen besonders die Vermeidung oder Behebung von Bodenverdichtungen und Drainageproblemen. „Die nach kurzfristiger Gewinnmaximierung ausgerichtete Fruchtfolge muss der Vergangenheit angehören“, so der Berater. Bislang habe allerdings eine Erweiterung der Fruchtfolge regelmäßig zu Umsatzrückgängen geführt.

Als sinnvoll für eine weitere Fruchtfolge wurde auf der Veranstaltung auch der Flächentausch mit Futterbau- und Biogasbetrieben angesprochen. Hinsichtlich Raps- Getreide- und Maiserträgen würde so eine Win-Win-Situation bei gleichzeitiger Reduzierung der Pflanzenschutzkosten entstehen.

Flexible Pachtpreise anstreben

Hauptansatzpunkt zur Senkung der Produktionskosten sei eine mögliche Pachtpreisanpassung. Flexible Anpassungsklauseln könnten für ein gerechtes und vor Allem Bodenfruchtbarkeit erhaltenes Innenverhältnis zwischen den Vertragsparteien sorgen.

Nicht zuletzt seien auch die Entwicklungen in den osteuropäischen Ländern nicht aus dem Auge zu verlieren, war ein Tenor auf der Veranstaltung. Hätten die Landwirte in diesen Ländern vor etwa 15 Jahren noch mit deutlichen Defiziten beim Anbau gearbeitet, haben sie in der Zwischenzeit aufgeholt und seinen ernstzunehmende Mitbewerber auf dem Gebiet der Commodities. (dg)
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