Hamburger Getreidebörse

Verein verteidigt Meinungsvielfalt

Das 1841 eingeweihte Gebäude der Hamburger Börse ist ein Symbol für den Stolz der Kaufmannschaft.
-- , Foto: Hamburger Börse
Das 1841 eingeweihte Gebäude der Hamburger Börse ist ein Symbol für den Stolz der Kaufmannschaft.

Mit großer Überraschung und Unverständnis hat der geschäftsführende Vorstand des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse (VdG) auf die Kündigung des Landhandels Weiterer reagiert. Dass das freiheitliche Denken eines Ökonomen Anlass für eine Kündigung gibt, ist ein Novum für den VdG und schwer nachvollziehbar. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen auch solchen Wissenschaftlern Gehör zu verschaffen, die Thesen vertreten, die vielleicht nicht jeder teilt“, kommentierte der Vorsitzende des Vereins, Rüdiger Wilke, die Kündigung.

Referent erhielt kein Honorar

Den Mitgliedsunternehmen des Verbandes wolle man Gelegenheit bieten über den Tellerrand zu schauen und auch einmal quer zu denken. Wilke ergänzte gegenüber az-online, „dass der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse in seiner langen traditionsreichen Geschichte ein weltoffener Verband ist, der sich auch immer anderen Meinungen gestellt hat“. Im Übrigen weist der VdG darauf hin, dass Prof. Paech ohne Honorar oder sonstigen Kosten auf der Mitgliederversammlung gesprochen hat und die Mitgliedsbeiträge verantwortungsvoll verwendet werden.

Unterstützung von Stefan Engelke

Auch Teilnehmer der Veranstaltung waren von der öffentlichen Reaktion des niedersächsischen Agrarhändlers überrascht. „Man muss die Thesen des Wissenschaftlers ja nicht teilen. Sie haben aber zum Nachdenken angeregt“, so die Meinung einiger anwesender Zuhörer. Auch wurde die Forderung nach einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Meinung des Ökonomen laut. Der niedersächsische Landhändler hat aber auch Rückendeckung aus der Branche bekommen: Stefan Engelke von der Mühle Rüningen aus Braunschweig gratuliert ihm zu seinem konsequenten Verhalten. „Einen Redner einzuladen, der als steuerfinanzierter Radikalökologe bekannt ist, Handys, Autos, Flugzeuge, Fleisch und Fisch ablehnt und als einzige persönliche Fähigkeit, Fahrradschrauber angibt und einen Vortrag fern von jeder marktökonomischen Realität hält, ist für einen wirtschaftlichen Interessenverband grotesk.“

„Aufstehen und Meinung sagen“

Und Stephan Weiterer hält an seiner Meinung zu dem Vortrag fest. „Wer solch einen Redner einlädt muss mit Reaktionen rechnen. Ich habe nichts gegen anders denkende Menschen. Aber ich finde es wichtig, aufzustehen und seine Meinung sagen zu können“, so Weiterer gegenüber az-online. Generell habe er nichts gegen die Arbeit des VdG einzuwenden. Nachdenken sollten die Verantwortlichen über seine Auffassung zu der Wahl des Redners aber schon.

Postwachstumsökonomie mit reduziertem Konsum

Das auf Wachstum beruhende westliche Wohlstandsmodell ist nach Ansicht von Prof. Niko Paech weder nachhaltig noch hält es sein Versprechen auf ein gutes Leben für alle. Als „Postwachstumsökonomie“ bezeichnete Paech auf der Veranstaltung „eine Wirtschaft, die ohne Wachstum des Bruttoinlandproduktes über stabile, mit einem vergleichsweise reduzierten Konsumniveau einhergehende Versorgungsstruktur verfügt“. Paech war bis Ende 2016 außerplanmäßiger Professor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. Jetzt lehrt er Plurale Ökonomik an der Universität Siegen. (dg)
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