Dietrich Holler zur Marktentwicklung

Oh, wie ist das bitter. Knapp, und leider zu recht, gegen Spanien verloren. Deutschland wird bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 bestenfalls Dritter. Vor wenigen Tagen schien der WM-Titel noch zum Greifen nah. Nun mutiert der Fanblock zur Schar der Besserwisser: War doch eh klar, dass es mit dem Team nicht klappt. Es lohnt ein kurzer Rückblick. Wer hätte vor dem Start des Wettbewerbs damit gerechnet, dass Deutschland überhaupt so weit kommt? Es waren eher wenige Fußballpatrioten. Das Ganze zeigt: Wetten auf die Zukunft sind eine Sache, die Realität oft eine andere. Über Sieg und Niederlage entscheidet das Ergebnis auf dem Spielfeld.

Und in der Landwirtschaft bestimmt, trotz aller Prognosen, der Vegetationsverlauf, wie viel am Ende geerntet wird. Dort, wo die Ernte in Europa bereits begonnen hat, bleiben die tatsächlichen Hektarerträge hinter den Erwartungen zurück. Die Preise ziehen daher jetzt deutlich an und alle stellen sich die Frage: Ist das der große Durchbruch für ein dauerhaft höheres Preisniveau oder nur ein erfreulicher Zwischenstand? Es sollte aber keiner zulange vom großen Gewinn träumen. Wer bei den gegenwärtig profitablen Preisen als Erzeuger nicht schon mal einen Teil seiner Ernte verkauft, entscheidet sich für die Spekulation und muss mit deren Risiko leben. Denn im Gegensatz zum Fußball-Wettkampf, der zum Schluss nur einen Sieger kennt, bringt in der Landwirtschaft auch ein positiver Zwischenstand den gewünschten Erfolg, sprich, Geld in die Kasse. Ein Sommermärchen endet, nicht nur bei der Weltmeisterschaft, manchmal schneller als gedacht.

Außenseiter nehmen gelegentlich eine bessere Position ein als ursprünglich gedacht. Roggen ist dafür momentan ein gutes Beispiel. Der große Absturz ist nicht eingetreten. Vielmehr halten sich die Preise stabil. Als echte Favoriten gelten derzeit weiterhin Raps und Mais als Rohstoffe für Bioenergie. Sie sind bereits Kandidaten für das Finale.

Das hat wiederum seine Ursache in einem Reglement, das nicht den Markt, sondern die Politik zum Schiedsrichter erklärt. Hier mangelt es an unparteiischem Blick. Indem Bioenergie politisch gefördert wird, werden die ersten und entscheidenden Punkte vor dem Spiel vergeben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Landwirte auf diese Feldfrüchte setzen. Am Ende gewinnt damit nicht der Beste - also das, was wirklich am Markt gefragt ist -, sondern derjenige, der seine Strategie zwischen ackerbaulichen Chancen und umweltpolitischen Maßgaben auspendelt.

Jenseits solcher Spielregeln ohne marktwirtschaftliche Grundlage müssen alle Beteiligten damit klarkommen: Das Wetter lässt sich nicht beeinflussen. Und da bleibt bis zum Ende jede Menge Spannung im Spiel. Kurz vor Ende kann sich noch einiges drehen. Die Spielzeit lässt sich aber nur mit Spekulation und nicht auf dem Acker verlängern.

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