Horst Hermannsen zur Biogasförderung

Das Thema Energiewende ist von Ideologen besetzt, die ökonomischer und ökologischer Vernunft nur schwer zugänglich sind. Drastisch wird dies bei Biogas unter Beweis gestellt. Der politisch angestoßene Boom hat sich zum Frontalangriff auf die deutsche Landwirtschaft entwickelt. Eine Technik aus dem vergangenen Jahrhundert produziert im Verhältnis zum Gesamtaufwand eine lächerliche Menge Strom. Dazu werden geradezu gigantische Ackerflächen benötigt. Öde Monokultur prägt zunehmend die Landschaft. Ein Verlust der Artenvielfalt ist die Folge. Maiszüchter und -händler, die Landmaschinenindustrie und vor allem die Verpächter reiben sich die Hände. Bei den bäuerlichen Veredelungsbetrieben herrscht indes blankes Entsetzen angesichts steigender Produktionskosten. Die Kritik wird vernehmbarer. Dabei gleiten Debatten über Sinn oder Unsinn dieser grandiosen Ressourcenverschwendung oft ins Moralische ab – nach dem Motto: Sind Sie etwa gegen Klimaschutz? Oder, was als Tatsachenbehauptung noch griffiger ist: Sie vertreten die Interessen der Atomindustrie!

Umweltschutz bei Biogas? Wer die Gesamtbilanz kennt, der weiß, dass hier eine Legende gepflegt wird. Wenig Erwähnung in der Öffentlichkeit finden Methanemissionen, die Probleme mit der Substratgülle oder die Tatsache, dass bei zu vielen Anlagen die Wärme in die Luft geblasen wird.

Die subventionierte Unvernunft droht in der heimischen Landwirtschaft zu einem Umbruch zu führen, der keine historischen Vorbilder hat. Sie beschleunigt einen Strukturwandel, der gesellschaftspolitisch so nicht gewollt sein kann. Die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen haben in manchen Regionen Deutschlands eine Höhe erreicht, die sich jeder betriebswirtschaftlichen Kalkulation entzieht. Damit entstehen enorme Produktionskosten, die im internationalen Wettbewerb zu Verzerrungen führen.

Mit Wucht werden auch Partner der Landwirtschaft getroffen – wie Agrarhändler, Mälzer und Mühlen. Ihnen wird vorgeworfen, sie zahlten zu wenig für Industriegetreide, deshalb werde vermehrt Energiemais angebaut. Ignoriert wird, dass Mälzer und Müller im ungeschützten Wettbewerb stehen und Rohstoff sowie Energie die größten Kostenblöcke darstellen. Ausgeblendet wird auch, dass Energiemais nur wegen der Subventionierung von Strom aus Biogas einen unüberwindlichen Vorsprung hat. Diese „Subventionsschleuderei“ wird zu allem Überfluss noch mit einem fantasievollen, jedenfalls unzutreffenden Begriff umschrieben: „Anschubfinanzierung“.

Darunter versteht der Ökonom normalerweise etwas anderes als eine auf 20 Jahre festgelegte und von der Politik garantierte Einspeisevergütung. Hier wird nichts angeschoben, vielmehr wird der letzte Rest von Marktwirtschaft auf Kosten der Stromverbraucher und zum Nachteil der bäuerlichen Landwirtschaft ausgehebelt. Die Politik ist von einer starken Lobby getrieben. Die überfällige Kürzung der Solarförderung lässt aber die Hoffnung keimen, dass auch bei der Subventionierung von Biogas in absehbarer Zeit wieder die Vernunft ob siegt.
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