Volle Schoten: Maximale N-Gaben sind dafür nicht notwendig.
-- , Foto: brs
Volle Schoten: Maximale N-Gaben sind dafür nicht notwendig.

Die neue Düngeverordnung wird künftig die N-Gaben ertragsabhängig limitieren. Dennoch soll ein hoher Ertrag mit reduziertem N-Aufwand gelingen. Die Rapszüchtung hat bereits gute Voraussetzungen für die Kultur geschaffen. Das Düngeniveau in den Sortenprüfungen, aber auch in den Zuchtgärten wurde reduziert, und trotzdem wurden höhere Erträge erzielt. Hybridsorten weisen durchweg eine verbesserte Verwertungseffizienz auf. Weil das Wurzelwachstum hierfür eine entscheidende Rolle spielt, wurde dieses Merkmal erfolgreich züchterisch bearbeitet. Darüber hinaus ist die Wurzel der Schlüssel zur Wasserversorgung in Trockenjahren.

Jetzt deuten erste Versuche darauf hin, dass Rapssorten auf eine stark reduzierte Düngung weitaus vielfältiger reagieren als erwartet. So wurden an drei Orten im Versuchswesen des Rapool-Rings für das Erntejahr 2015 jeweils neun Sorten und Stämme mit normaler N-Düngung von 180 kg N/ha verglichen mit einer verminderten N-Gabe von 120 kg N/ha.

Die stark reduzierte N-Düngung um 60 kg N/ha zeigte einen unerwartet geringen Ertragsabfall von rund 1 dt/ha über alle Sorten und Saatzeiten (siehe Grafik). Je nach Saatzeit verändert sich der Effekt: Im Mittel der Normalsaat ist die 120-kg-N-Variante der 180-kg-Düngung sogar ertraglich überlegen. Dies gleicht sich in der Spätsaat an und führt in der extremen Spätsaat zu den erwarteten deutlicheren Mehrerträgen der höheren N-Düngung. Aber es gibt eine größere Variabilität der Sorten in Bezug auf die N-Reduktion als erwartet. Einerseits gibt es Sorten, die klassischerweise mit steigenden Stickstoffgaben auch stärker im Ertrag zulegen. Andererseits gibt es auch Sorten, die offensichtlich unter idealen Saatbedingungen auch mit 120 kg N scheinbar ihr Ertragsmaximum erreichen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch bundesweite Düngungsversuche, die von der Landesforschung Mecklenburg-Vorpommern zusammengestellt wurden. In N-Steigerungsversuchen verzeichnet die 120-kg-N-Variante ebenfalls fast den gleichen Ertrag wie die 180-kg-N-Variante. Offenbar kommt die Kultur in speziellen Erntejahren wie 2015 mit einem milden Winter und geringem Schädlings- und Krankheitsdruck mit beachtlich niedrigen N-Düngemengen aus, wohingegen in anderen Jahren der N-Effekt höher ausfällt.

Die Ertragsvariabilität der einzelnen Sorten an den einzelnen Standorten gibt den zusätzlichen Hinweis, dass unbedingt weitere Sortenprüfungen notwendig sind. Möglicherweise gilt sogar für jeden einzelnen Standort ein eigenes, optimales Düngeniveau, das im Bereich von 40 bis 60 kg N/ha variiert.


Andreas Baer,
Rapool-Ring/NPZ, Isernhagen
stats