Daphne Huber-Wagner zum Düngermarkt

Trübe Herbststimmung statt bewegter Altweibersommer herrscht derzeit auf dem Düngermarkt. So richtig traut sich kein Händler oder Landwirt, im großen Stil Düngemittel zu kaufen und bis zum Frühjahr einzulagern. Ständig neue Preiserhöhungen für Kalkammonsalpeter (KAS) verunsichern die Marktteilnehmer. Seit Wochen ruht das Düngergeschäft. Bei Kornkali deutet alles auf höhere Preise zur neuen Staffel im November hin. Damit ist noch viel Luft für weitere Preisankündigungen, bis es im Februar mit der Düngung losgeht. Kommt es wirklich zu einer weiteren Preishausse, oder ist derjenige im Frühjahr lachender Dritter, der jetzt Nerven zeigt und wenig einlagert?

Ganz im Gegensatz zum schleppenden Verkauf in Deutschland sind dagegen internationale Unternehmen am Düngermarkt aktiv. Bestes Beispiel ist der jüngste Bieterstreit um die Düngemittelanlagen der BASF in Antwerpen und Ottmarsheim. Im Wechsel hatten Yara, Eurochem aus Russland und OCI aus Ägypten die Nase vorn. Am Ende bekam Eurochem mit dem Investor Andrej Melnichenko den Zuschlag für 700 Mio. €. Eine gute Wahl. Denn mit Eurochem wird der Kreis der Produzenten um einen zusätzlichen Anbieter erweitert. Die Russen haben auch die besten Chancen, das Vertriebsunternehmen K+S Nitrogen zu übernehmen, das laut Vertrag noch bis 2014 BASF-Dünger exklusiv vertreibt.

Der Verkauf der BASF-Werke hat Signalwirkung. Im internationalen Maßstab gewinnt Westeuropa als Produktionsstandort an Bedeutung. In den Niederlanden will OCI sogar wieder eine stillgelegte Anlage in Betrieb nehmen. Eurochem wird, wie die übrigen Produzenten, alles daransetzen, Dünger made in Westeuropa in Drittländer zu vermarkten. So gewinnt der viele Jahre lang rein auf dem westeuropäischen Markt angebotene Dünger KAS international an Format. Kanada, Argentinien und Südafrika mausern sich zu wichtigen Abnehmern des Nitratdüngers. Sie schätzen die zuverlässige Wirkung gerade auch in kühleren Jahreszeiten.

Die Produzenten nutzen ihre Chancen im Export. Landwirte sollten sich deshalb nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, dass auf dem Heimatmarkt zu jeder Zeit und wenn möglich immer günstig Düngemittel erhältlich sind. Denn infolge der internationalen Ausrichtung der Hersteller werden sich hiesige Landwirte an ständig neue Tagespreise für Stickstoffdünger gewöhnen müssen. Damit könnte auch das alte Konzept der frühen Einlagerung brüchig werden. Denn auch Händler wollen das Risiko einer teuren Einlagerung, um vielleicht im Frühjahr auf der Ware sitzenzubleiben, weil es zu trocken oder der Preis zu hoch ist, nicht mehr übernehmen. Somit könnte es im Frühjahr eng werden.

Große ostdeutsche Betriebe sorgen vor. Sie vereinbaren schon heute Kontrakte für die Getreideernte 2012. Auf dieser Preisbasis kalkulieren sie ihren Düngereinsatz und damit, wie lange sie mit den Preisen mitgehen können. KAS hat die Marke von 300 €/t mittlerweile überschritten. Harnstoff erklimmt täglich neue Höhen. Es ist höchste Zeit, dass Landwirte und Händler ihre Kaufzurückhaltung aufgeben. Die Bilanz nach der Getreideernte scheint in vielen Regionen Deutschlands nicht so schlecht wie befürchtet ausgefallen zu sein. Eine gute Gelegenheit, sich im goldenen Oktober der Düngerplanung zu widmen.
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